
Buchinformationen
| Titel | Weit über der smaragdgrünen See |
| Band | Einzelband |
| Autor | Brandon Sanderson |
| Verlag | Piper |
| Übersetzung | Simon Weinert |
| ISBN | 978-3-492-70668-1 |
| Seitenzahl | 544 |
| Genre | High Fantasy |
| Bewertung | 5 von 5 Sterne |
Klappentext
Schon immer lebt Tress auf ihrer kargen Insel mitten in der smaragdgrünen See. Ein Ort, an dem die aufregendsten Dinge die Tassen sind, die Tress sammelt, und die ihr Seeleute aus fernen Ländern mitbringen. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist es, den Geschichten ihres Freundes Charlie zu lauschen, der langsam mehr als ein Freund für sie wird. Als Charlie während einer gefährlichen Reise verschwindet, beschließt Tress, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen und zieht aus, ihren Liebsten zu retten. Zahlreiche Gefahren warten auf sie – darunter Piraten, fremde, tödliche Meere und eine böse Hexe. Wird Tress über sich hinauswachsen und ihre große Liebe retten können?
Meine Meinung
Mit „Weit über der smaragdgrünen See“ beweist Brandon Sanderson einmal mehr, weshalb er zu den herausragendsten Fantasy-Autoren unserer Zeit zählt. Das Abenteuer rund um Tress entführt uns in eine weitere Welt des Kosmeers, die ebenso märchenhaft wie gefährlich ist und dem Kosmeer eine weitere faszinierende Facette hinzufügt. Dabei erzählt Sanderson nicht nur eine mitreißende Geschichte, sondern erweitert sein ohnehin beeindruckendes Universum auf eine Weise, die sowohl langjährige Fans als auch Neueinsteiger begeistern dürfte.
Eine ganz besondere Rolle spielt dabei der Erzähler: Hoid. Leser, die bereits im Kosmeer unterwegs gewesen sind, kennen ihn bereits aus Werken wie den Sturmlicht-Chroniken oder „Sturmklänge“, wo er stets als geheimnisvoller, scharfzüngiger und oft nur am Rande auftauchender Charakter in Erscheinung tritt. In diesem Roman übernimmt er die Erzählerrolle und verleiht der Geschichte seinen unverwechselbaren Ton. Mit Witz, Charme und einer gehörigen Portion Selbstironie erzählt Hoid Tress‘ Abenteuer, als würde er ein altes Märchen zum Besten geben. Diese sagenhafte Erzählweise schafft eine besondere Atmosphäre, die sich deutlich von anderen Kosmeer-Romanen unterscheidet. Obwohl dadurch eine gewisse Distanz zwischen Erzählung und Geschehen entsteht, gelingt es Sanderson mühelos, die Figuren lebendig und nahbar wirken zu lassen. Ihre Hoffnungen, Ängste und Entscheidungen fühlen sich jederzeit authentisch an.
Besonders ist dabei die Entwicklung der Protagonistin Tress. Zu Beginn wirkt sie zurückhaltend, unscheinbar und zufrieden mit ihrem einfachen Leben. Doch das Abenteuer, auf das sie sich begibt, fordert ihr alles ab und zwingt sie immer wieder dazu, über sich hinauszuwachsen. Schritt für Schritt entwickelt sie Mut, Entschlossenheit und Selbstvertrauen, ohne dabei jemals ihre liebenswerte Art zu verlieren. Gerade diese glaubwürdige Charakterentwicklung macht Tress zu einer außergewöhnlich starken Heldin. Ihre Veränderung geschieht nicht plötzlich oder übertrieben, sondern ist in jeder Phase ihres Abenteuers nachvollziehbar und macht große Freude beim Lesen.
Natürlich darf auch das Worldbuilding nicht unerwähnt bleiben, denn hier zeigt Brandon Sanderson erneut seine ganze Stärke. Die Welt von „Weit über der smaragdgrünen See“ gehört zu den originellsten Schauplätzen des gesamten Kosmeers. Statt gewöhnlicher Ozeane erstrecken sich Meere aus Sporen, die ebenso faszinierend wie tödlich sind. Jede Bewegung auf ihnen birgt Gefahren, jede Reise verlangt Mut, Geschick und das Wissen um die Eigenheiten dieser außergewöhnlichen Naturgesetze. Sanderson beschreibt diese Welt mit einer Detailverliebtheit, die sie vor dem inneren Auge lebendig werden lässt. Beim Lesen entsteht das Gefühl, selbst an Bord eines Schiffes zu stehen, den Wind zu spüren und mit Ehrfurcht auf die schimmernden, lebensgefährlichen Sporenmeere hinauszublicken. Dieses einzigartige Setting verleiht der Geschichte ihren ganz eigenen Zauber und sorgt dafür, dass sie sich deutlich von klassischer Fantasy abhebt.
Neben all den fantastischen Ideen überzeugt der Roman auch durch seine emotionale Wärme, seinen feinen Humor und die Botschaft, dass wahre Stärke oft dort entsteht, wo Menschen den Mut finden, ihre gewohnte Welt hinter sich zu lassen. Hoids humorvolle Kommentare lockern die Handlung immer wieder auf, ohne die emotionalen Momente zu schmälern, und verleihen der Geschichte eine Leichtigkeit, die hervorragend mit den spannenden und gefährlichen Ereignissen harmoniert.
„Weit über der smaragdgrünen See“ ist damit weit mehr als nur ein weiteres Abenteuer im Kosmeer. Es ist ein märchenhaft erzählter Roman voller Kreativität, unvergesslicher Figuren und einer Welt, die ihresgleichen sucht. Brandon Sanderson gelingt es erneut, eine Geschichte zu erschaffen, die gleichermaßen unterhält, berührt und staunen lässt. Dieses Buch ist ein weiteres Meisterwerk aus seiner Feder, erweitert das Kosmeer um eine spannende neue Facette und macht das ohnehin beeindruckende Universum noch größer und vielfältiger. Eine uneingeschränkte Leseempfehlung für Fantasy-Fans und ein absolutes Highlight, das die fünf Sterne mehr als verdient.
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