M. Stevenson: Behooved [Rezension]

Cover © Heyne

Buchinformationen

TitelBehooved – Hals über Huf verliebt
BandEinzelband
AutorM. Stevenson
VerlagHeyne
ÜbersetzungPaula Telge
ISBN978-3-453-32387-2
Seitenzahl416
GenreHigh Fantasy, Romantasy
Bewertung4 von 5 Sterne

Klappentext

Ihrem Land zu dienen, steht für die junge Herzogin Bianca an erster Stelle. Als ihre Heimat vom Krieg bedroht wird, stimmt sie sofort einer Heirat mit dem Thronfolger des benachbarten Königreiches zu. Doch Prinz Aric scheint Bianca nicht ausstehen zu können. Als wäre das nicht unangenehm genug, werden die beiden in der Hochzeitsnacht angegriffen. Kurz darauf ist Aric in ein Pferd verwandelt worden und Bianca steht unter Mordverdacht. Dem ungleichen Paar bleibt nichts anderes übrig, als zu fliehen. Dabei kommen sie nicht nur einer Intrige auf die Spur, die weit über die Grenzen des Königreiches hinausgeht, sondern auch einander näher.

Meine Meinung

„Behooved – Hals über Huf verliebt“ von M. Stevenson entpuppt sich als unerwartet erfrischende Überraschung innerhalb des Romantasy-Genres. Statt einer vorhersehbaren Geschichte nach vertrautem Muster entfaltet sich eine märchenhafte Erzählung, die bewusst eigene Wege geht und gerade dadurch nachhaltig in Erinnerung bleibt. Der Roman begegnet seiner fantastischen Prämisse mit einem Augenzwinkern, erlaubt sich Humor und eine gewisse Absurdität, ohne dabei ins Lächerliche abzurutschen. Gleichzeitig finden sich immer wieder ruhigere, ernstere Zwischentöne, die dem Ganzen Tiefe verleihen und Themen berühren, die in der Fantasy eher selten Raum bekommen. Diese ungewöhnliche Balance aus Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit wirkt wohltuend und sorgt dafür, dass sich das Buch deutlich von der Masse klassischer Romantasy-Titel abhebt.

Schon der Grundton der Geschichte hebt sich deutlich von klassischer Romantasy ab und macht früh klar, dass „Behooved“ andere Akzente setzen möchte. Der Roman fühlt sich in vielen Momenten wie ein Märchen an – verspielt, fantasievoll und stellenweise beinahe skurril, ohne dabei den eigenen Rahmen zu sprengen. Dabei verliert die Geschichte nie das Bewusstsein dafür, dass sie eine fantastische Erzählung ist, und spielt bewusst mit den Erwartungen des Genres. Gleichzeitig scheut M. Stevenson nicht davor zurück, auch ernstere Themen aufzugreifen, die der Handlung zusätzliche Tiefe verleihen und ihr mehr emotionales Gewicht geben. Gerade dieser Kontrast sorgt für eine besondere Dynamik: Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit stehen nicht im Widerspruch zueinander, sondern ergänzen sich auf natürliche Weise. Wo andere Romantasy-Romane auf pathetische Dramatik und überhöhte Konflikte setzen, überzeugt „Behooved“ vielmehr durch Charme, Eigenwilligkeit und fein gezeichnete emotionale Zwischentöne, die lange nachwirken.

Besonders angenehm ist, dass – obwohl es sich eindeutig um eine Romantasy handelt – die Liebesgeschichte nicht allein im Zentrum steht. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Handlung, ja, aber nicht der Schlüssel, um den sich alles dreht. Der Fokus liegt vielmehr auf der Welt, den Umständen, den Herausforderungen und den Figuren selbst. Die Beziehung entwickelt sich organisch aus dem, was um sie herum geschieht, und wird nicht als alles überstrahlendes Ziel präsentiert. Das sorgt dafür, dass sich die Handlung freier, weniger vorhersehbar und insgesamt runder anfühlt.

Ein besonderes Highlight des Buches sind die Figuren, die sich wohltuend vom typischen Schema des Genres lösen. Gerade Aric verkörpert einen Charaktertyp, der in der Romantasy nur selten im Mittelpunkt steht. Er ist kein düsterer Antiheld mit problematischem Beschützerdrang, kein unnahbarer Krieger, der seine Konflikte mit dem Schwert austrägt und von inneren Dämonen geplagt wird. Stattdessen begegnet man in ihm einen Gelehrten – intelligent, reflektiert und deutlich stärker im Umgang mit Wissen als mit Waffen. Diese bewusste Entscheidung verleiht der Geschichte eine frische, unverbrauchte Dynamik und verschiebt den Fokus vieler Konflikte weg von roher Gewalt hin zu Dialog, Überlegung und moralischen Fragen. Aric darf verletzlich sein, darf zweifeln, Fehler machen und innehalten, ohne dass ihm dadurch Tiefe oder Ausstrahlung genommen wird. Gerade diese ruhige, nachdenkliche Art macht ihn zu einer ungewöhnlich greifbaren und überzeugenden Figur innerhalb des Genres.

Bianca steht ihm dabei in nichts nach. Sie ist im Umgang mit Waffen begabt, mutig und handlungsfähig, entspricht also durchaus dem Bild einer starken weiblichen Figur. Gleichzeitig lebt sie mit einer chronischen Krankheit, die sie immer wieder einschränkt und belastet. Dieser Aspekt wird nicht romantisiert oder als bloßes Stilmittel benutzt, sondern als realer Teil ihres Alltags dargestellt. Ihre Stärke liegt nicht darin, trotz allem immer zu funktionieren, sondern darin, mit diesen Einschränkungen umzugehen. Das verleiht ihrer Figur zusätzliche Glaubwürdigkeit und emotionale Tiefe.

So überzeugend Figuren und Grundidee auch ausgearbeitet sind, kommt „Behooved“ nicht völlig ohne Schwächen aus. Das größte Manko zeigen einige kleinere Logiklücken, die vor allem im Zusammenhang mit der Liebesgeschichte auftreten. Bestimmte Entscheidungen oder Entwicklungen wirken stellenweise etwas zu sprunghaft oder nicht vollständig ausgearbeitet, wodurch der ansonsten sehr stimmige Gesamteindruck kurzzeitig ins Wanken gerät. Diese Unstimmigkeiten fallen besonders deshalb auf, weil der restliche Roman mit spürbarer Sorgfalt, durchdachten Charakterzeichnungen und einer klaren erzählerischen Vision überzeugt. Zwar sind diese Schwächen nicht gravierend und beeinträchtigen den Lesefluss nur punktuell, dennoch bleiben sie bemerkbar und verhindern, dass die Liebesgeschichte ihr volles Potenzial entfalten kann.

Nichtsdestotrotz überwiegen eindeutig die positiven Aspekte. „Behooved – Hals über Huf verliebt“ erweist sich als wohltuende Fantasy mit Liebesgeschichte, die den Mut besitzt, sich bewusst von der Norm des Genres zu lösen. Statt gängiger Romantasy-Klischees setzt der Roman auf ungewöhnliche Figurenkonstellationen und eine Handlung, die mehr sein möchte als lediglich der geradlinige Weg zum Happy End. Die Geschichte überzeugt durch ihren märchenhaften Charme, ihren feinen Humor und eine überraschend nachdenkliche Note, die sie aus der Masse heraushebt. Wer eine fantasievolle, eigenwillige Romantasy sucht, die bekannte Pfade verlässt und frische Akzente setzt, wird hier definitiv fündig.

[unbezahlte Werbung | Rezensionsexemplar]

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