
Buchinformationen
| Titel | Caraval |
| Band | 1 von 3 |
| Autor | Stephanie Garber |
| Verlag | Piper |
| Übersetzung | Diana Bürgel |
| ISBN | 978-3-492-70821-0 |
| Seitenzahl | 400 |
| Genre | Epische Fantasy, Romantasy |
| Bewertung | 5 von 5 Sterne |
Klappentext
Scarlett und ihre Schwester Tella, leben auf der kleinen Insel Trisda. Ihr Vater, der Governor der Insel, ist ein grausamer und gewalttätiger Mann. Daher wünschen sich die beiden nichts sehnlicher, als ihrer Heimat zu entfliehen.
Das seltsame und sagenumwobene Spiel Caraval, das einmal im Jahr stattfindet, erscheint den beiden wie das Tor zu einer neuen Welt. Endlich erhalten sie ihre Einladung und entkommen mithilfe des geheimnisvollen Seemanns Julian aus Trisda. Doch ehe sie sich versehen, finden sich die zwei Schwestern inmitten von Rätseln und Intrigen wieder.
Ist Tellas Kidnapping Teil der Performance von Caravals ominösem Organisator Legend, oder wurde sie wirklich entführt? Wer ist Julian wirklich, und was steht am Ende tatsächlich auf dem Spiel? Nichts ist mehr so, wie es scheint.
Meine Meinung
Stell dir vor, du betrittst eine Welt, in der nichts ist, wie es scheint. Wo jeder Schatten ein Rätsel birgt, jede Begegnung ein Trick sein könnte – oder der Schlüssel zum Überleben. Stephanie Garber gelingt mit „Caraval“ nicht nur der Auftakt zu einer einzigartigen Fantasy-Trilogie, sondern auch ein hypnotischer Drahtseilakt zwischen Traum und Albtraum. Dieses Buch ist mehr als nur eine Geschichte – es ist ein Erlebnis, das man fühlt, riecht, schmeckt. Und man weiß nie, ob man dem trauen darf, was man gerade liest. Genau darin liegt seine geniale Stärke.
Schon ab der ersten Seite taucht man ein in eine Welt, die gleichzeitig verzaubert und Unbehagen auslöst. Caraval ist kein gewöhnliches Spiel, sondern ein gefährlicher Ort voller Illusionen, an dem man den eigenen Sinnen nicht trauen kann. Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Täuschung verschwimmen so geschickt, dass man sich als Leser selbst irgendwann fragt, ob man überhaupt noch den Überblick hat – und genau das ist beabsichtigt. Stephanie Garber erschafft eine Kulisse, die atemberaubend schön und gleichzeitig bedrückend ist. Licht und Dunkelheit tanzen umeinander wie Verführer auf einem Maskenball. Caraval zieht einen unweigerlich in seinen Bann mit schimmernden Kleidern, flüsternden Gassen und unvorhersehbaren Prüfungen – und dennoch spürt man hinter jedem Zauber die drohende Gefahr.
Die wahre Heldin dieser Geschichte ist Scarlett – eine junge Frau, die zu Beginn von Ängsten, Regeln und Kontrollzwängen geprägt ist. Sie lebt in einem goldenen Käfig aus Pflichterfüllung, missbräuchlicher Familie und dem ständigen Wunsch nach Sicherheit. Doch Caraval stellt all das auf den Kopf. Was als Suche nach ihrer entführten Schwester beginnt, wird zur Reise zu sich selbst. Scarlett wächst an den Prüfungen, an den Verlusten und an den Wahrheiten, denen sie sich stellen muss. Ihre Entwicklung ist organisch, glaubwürdig und zutiefst berührend. Sie wird nicht über Nacht zur Heldin – sie entscheidet sich immer wieder neu, über sich hinauszuwachsen. Genau das macht sie so inspirierend: Man erkennt sich selbst in ihren Zweifeln – und wünscht sich, ihren Mut zu besitzen.
Im Gegensatz zu vielen Romantasy-Romanen drängt sich die Liebesgeschichte in „Caraval“ nicht in den Vordergrund – und ist gerade deshalb so wirkungsvoll. Die Beziehung zwischen Scarlett und Julian entwickelt sich behutsam, oft zwischen den Zeilen. Sie basiert nicht auf kitschiger Romantik, sondern auf Vertrauen, Verrat, gemeinsamen Erfahrungen – und gegenseitigem Respekt. Es gibt keine übertriebenen Liebesbekundungen, sondern Blicke, Gesten, verletzliche Momente, in denen echte Nähe entsteht. Diese Subtilität macht die Geschichte zwischen den beiden umso glaubhafter und emotionaler. Ihre Beziehung ist kein Plotvehikel – sie ist ein leiser Gegenpol zur überbordenden, chaotischen Welt von Caraval. Ein sicherer Anker, wenn auch ein unsicherer.
„Caraval“ ist nicht nur ein Buch. Es ist ein Spiel, das der Leser mitspielt. Stephanie Garber gelingt ein atemberaubender Auftakt, der mit seiner dichten Atmosphäre, seiner unberechenbaren Handlung und seiner emotionalen Tiefe vollkommen überzeugt. Die Geschichte ist eine einzige Einladung, sich zu verlieren – um sich selbst neu zu finden. Wer bereit ist, sich auf das Ungewisse einzulassen, wird mit einer Geschichte belohnt, die noch lange nachhallt. Denn wie es in Caraval so schön heißt: „Denke daran, es ist nur ein Spiel…“
Nur – was, wenn es das nicht ist?
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