Hannah Kaner: Faithbreaker [Rezension]

Cover © Piper

Buchinformationen

TitelFaithbreaker
Band3 von 3
AutorHannah Kaner
VerlagPiper
ÜbersetzungWolfgang Thon
ISBN978-3-492-70923-1
Seitenzahl512
GenreHigh Fantasy
Bewertung4 von 5 Sterne

Klappentext

Im Königreich Middren herrscht Krieg! Vom Norden her führt die Feuergöttin Hseth die Invasion. Die Rebellion um den Ritter Elogast hat keine andere Wahl, als sich mit dem Gottkönig zu verbünden. Auch die junge Inara ist auf der Suche nach neuen Verbündeten und alten Göttern, die ihnen beiseite stehen können. Die Godkillerin Kyssen hingegen hat nicht die Absicht, für den Gottkönig zu kämpfen. Doch um ihre Familie zu schützen, muss sie ihre Überzeugungen in Frage stellen. Wie weit werden die drei gehen, um den Krieg zu gewinnen?

Meine Meinung

Mit „Faithbreaker“ liefert Hannah Kaner den kraftvollen Abschluss ihrer charakterfokussierten Godkiller-Trilogie – und man spürt auf jeder Seite, dass hier noch einmal alles auf den Tisch gelegt wird. Die Handlung zieht deutlich an, die Konflikte eskalieren, und Kyssens Welt steht endgültig im Zeichen des Krieges. Was diese Reihe von Beginn an ausgezeichnet hat, wird hier konsequent weitergeführt: weniger epische Schlachten um ihrer selbst willen, sondern ein starker Fokus auf Figuren, ihre inneren Kämpfe und die moralischen Grauzonen, in denen sie sich bewegen. Es geht noch einmal richtig rund, ohne dabei die emotionale Ebene aus den Augen zu verlieren.

Inhaltlich ist „Faithbreaker“ stark von der Kriegsrealität geprägt. Kyssens Welt befindet sich in einem Zustand permanenter Bedrohung, und diese Spannung zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman. Intrigen, Machtfragen und persönliche Opfer sorgen dafür, dass man als Leser:in immer wieder mitgerissen wird. Gleichzeitig erlaubt sich der Text stellenweise etwas mehr Raum für Reflexion und innere Prozesse, was nicht immer perfekt ausbalanciert ist. Hin und wieder entstehen dadurch kleinere Längen, vor allem in Passagen, die sich sehr stark auf Gedanken und Gefühle konzentrieren und das Tempo kurzfristig drosseln. Doch abgesehen davon überwiegt klar die Spannung, da die Handlung auf ein emotional aufgeladenes Finale zusteuert.

Besonders interessant ist, wie konsequent Kaner die Charakterentwicklungen zuspitzt. Die Figuren sind längst nicht mehr dieselben wie zu Beginn der Trilogie, sondern haben sich durch Schuld, Zweifel, Loyalität und Verlust hindurch verändert. Beziehungen werden intensiviert, alte Bande auf die Probe gestellt und neue Dynamiken entstehen – oft schmerzhaft, manchmal überraschend zärtlich. Dabei gelingt es der Autorin, Diversität so organisch in die Geschichte einfließen zu lassen, dass sie nie wie ein Zusatz wirkt, sondern wie ein selbstverständlicher Teil dieser Welt. Unterschiedliche Identitäten, Lebensentwürfe und emotionale Perspektiven sind nicht nur vorhanden, sondern prägen aktiv die Handlung und die Entscheidungen der Figuren. Das verleiht der Geschichte zusätzliche Tiefe und Authentizität, und differenziert sie von der Norm gängiger High Fantasy.

Was den Roman letztlich besonders macht, ist seine klare Positionierung abseits typischer Fantasy-Muster. Hier geht es weniger um klassische Heldenreisen oder einfache Gut-gegen-Böse-Strukturen, sondern um Ambivalenz, Verantwortung und die Frage, was Glauben, Macht und Bindungen mit Menschen machen. Kaners Stil bleibt dabei atmosphärisch, direkt und stellenweise schonungslos, ohne ins Überdramatische abzurutschen. Das Finale fühlt sich nicht nur konsequent, sondern auch verdient an – ein Abschluss, der die Figuren ernst nimmt und ihre Entwicklung nicht relativiert.

„Faithbreaker“ ist ein würdiges Ende für eine überraschend starke Trilogie, die sich bewusst abseits der üblichen Fantasy-Pfade bewegt und genau dadurch ihren Alleinstellungswert innerhalb der Genre-Bubble findet. Trotz kleiner Längen überzeugt der Roman durch emotionale Intensität, komplexe Charaktere und eine Welt im Ausnahmezustand. Eine Geschichte, die zeigt, dass moderne Fantasy nicht nur von Drachen und Schlachten lebt, sondern vor allem von Figuren, ihren Beziehungen und ihren Entscheidungen.

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