
Buchinformationen
| Titel | Roter Mars |
| Band | 1 von 3 |
| Autor | Kim Stanley Robinson |
| Verlag | Heyne |
| Übersetzung | Winfried Petri |
| ISBN | 978-3-453-31696-6 |
| Seitenzahl | 816 |
| Genre | Science-Fiction |
| Bewertung | 3 von 5 Sterne |
Klappentext
Es ist die größte Herausforderung, der sich die Menschheit je gegenübersah: die Besiedlung unseres Nachbarplaneten Mars. Die Verwandlung einer lebensfeindlichen Wüstenwelt in einen blauen Planeten wie die Erde ist ein riskantes Unternehmen und wird nicht nur den Mars, sondern auch die Erde für immer verändern …
Meine Meinung
Mit „Roter Mars“ legt Kim Stanley Robinson den Auftakt seiner renommierten Mars-Trilogie vor und eröffnet damit ein monumentales Science-Fiction-Projekt, das die Besiedlung des Mars in all ihren politischen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Facetten beleuchten will. Das Ziel ist hoch gesteckt: Die Kolonisierung eines fremden Planeten soll nicht nur als technisches Unterfangen, sondern als vielschichtiger Prozess über mehrere Entwicklungsstufen hinweg erzählt werden. Genau darin liegt auch die große Stärke – und zugleich die größte Schwäche – dieses Romans.
Die Grundidee ist ohne Zweifel hochinteressant. „Roter Mars“ widmet sich der ersten Generation von Wissenschaftlern, die den Mars dauerhaft besiedeln sollen. Die Darstellung der planetaren Bedingungen, der technischen Herausforderungen und der wissenschaftlichen Konzepte ist detailliert, fundiert und spürbar von großer Sachkenntnis geprägt. Robinson schreibt Science-Fiction, die sich ernsthaft mit Naturwissenschaften auseinandersetzt und den Mars als realen, widerspenstigen Ort begreift – nicht als bloße Kulisse. Für jene mit Interesse an harter, wissenschaftsnaher Science-Fiction bietet das Buch daher eine solide und glaubwürdige Grundlage.
Problematisch wird es jedoch dort, wo der Roman seinen Fokus zunehmend verlagert. Anstatt die wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen konsequent weiterzuentwickeln, verliert sich „Roter Mars“ über weite Strecken im Kleinklein der persönlichen Geschichten seiner Hauptfiguren. Diese nehmen enormen Raum ein, ohne dabei wirklich Tiefe oder erzählerischen Mehrwert zu entfalten. Die Figuren wirken häufig weniger wie Träger einer großen Idee oder eines thematischen Konflikts, sondern eher wie bloße Anwesende in einer ohnehin schon überfrachteten Handlung. Ihre individuellen Entwicklungen erscheinen selten sinnstiftend für das Gesamtbild der Marsbesiedlung und tragen wenig zur emotionalen Bindung bei.
Diese Schwerpunktsetzung macht den Roman zäh. Die Erzählung schreitet nur langsam voran, wiederholt sich in ihren Konflikten und verliert an Spannung, obwohl das Szenario enormes Potenzial bieten würde. Gerade weil die wissenschaftliche und politische Dimension so interessant angelegt ist, fällt es umso stärker auf, wie sehr die Geschichte unter ihrer eigenen Ausführlichkeit leidet. Die knapp über 800 Seiten verlangen Geduld und Durchhaltevermögen, ohne diese Mühe durchgehend zu belohnen.
Am Ende bleibt ein ambivalenter Eindruck. „Roter Mars“ ist zweifellos ein Klassiker der Science-Fiction und als solcher auch einflussreich. Die Grundidee ist stark, die Thematik relevant und ambitioniert. Doch die Umsetzung erweist sich als langatmig, ernüchternd und streckenweise unerquicklich. Der Roman hätte das Potenzial gehabt, ein herausragendes Werk zu sein – stattdessen wirkt er überdehnt und unnötig schwerfällig. Gut und gerne hätte diese Geschichte deutlich kürzer ausfallen können, ohne an Aussagekraft zu verlieren. So bleibt ein solides, aber mühsames Leseerlebnis, das eher Respekt als Begeisterung hervorruft – für eine große Vision mit schwacher Dramaturgie.
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