Brandon Sanderson: Der Kampf der Meister [Rezension]

Cover © Heyne

Buchinformationen

TitelDer Kampf der Meister
Band10 von 10
AutorBrandon Sanderson
VerlagHeyne
ÜbersetzungMichael Siefener
ISBN978-3-453-27325-2
Seitenzahl928
GenreHigh Fantasy
Bewertung5 von 5 Sterne

Klappentext

Der gewaltige Krieg um die Welt Roschar nimmt immer größere Dimensionen an. Die einst verschollen geglaubten Strahlenden Ritter stellen sich mit ihren magischen Kräften den Bringern der Leere entgegen. Der ehemalige Attentäter Szeth begibt sich zurück in sein Heimatland Schinovar, aus dem er einst verbannt wurde, um dort den Einfluss der dunklen Götter zurückzudrängen. Doch die Zeit drängt, denn auch unter den Göttern selbst schwelt ein uralter Konflikt.

Meine Meinung

Mit „Der Kampf der Meister“ erreicht die deutsche Ausgabe der Sturmlicht-Chroniken von Brandon Sanderson vorerst ihren Höhepunkt – und was für einen. Dieser Band fühlt sich an wie das unvermeidliche Zusammenziehen aller Gewitterwolken, die sich über Jahre hinweg aufgebaut haben. Alles, worauf „Winde und Wahrheit“ hingearbeitet hat, entlädt sich hier mit voller Wucht. Die Handlung ist dichter, kompromissloser und spannungsgeladener als je zuvor, als hätte Sanderson bewusst jede Atempause gestrichen, um den Leser ohne Rettungsring in die Fluten zu stoßen.

Von den ersten Kapiteln an geht es Schlag auf Schlag immer weiter ins Verderben. Entscheidungen haben unmittelbare Konsequenzen, Fronten verhärten sich, und die Eskalation kennt kaum ein Innehalten. Jede Wendung treibt die Geschichte näher an jenen unausweichlichen Punkt, auf den alles hinausläuft: den titelgebenden „Kampf der Meister“. Dabei entsteht ein permanentes Gefühl von Dringlichkeit, fast von Atemlosigkeit. Hoffnung flammt auf, nur um im nächsten Moment wieder erschüttert zu werden. Genau diese Unbarmherzigkeit verleiht dem Roman seine enorme Sogkraft.

Die Hauptfiguren stehen dabei im Zentrum dieses Sturms und geben noch einmal alles. Bekannte innere Konflikte werden nicht einfach abgelegt, sondern erreichen ihren schmerzhaftesten Ausdruck. Mut, Verzweiflung, Loyalität und Opferbereitschaft prallen aufeinander, und jede Figur wirkt bis an die Grenzen dessen getrieben, was sie ertragen kann. Gerade in diesen Momenten zeigt sich Sandersons große Stärke: Figuren wachsen nicht durch einfache Siege, sondern durch das Ringen mit sich selbst und der Welt um sie herum. Die wahre Stärke des Romans liegt entsprechend weiterhin in seinen Figuren. Adolin löst sich endlich aus dem Schatten seiner Weggefährten und gewinnt deutlich an Profil. Die Wege von Szeth und Kaladin gehen unter die Haut, auch wenn Kaladins Rolle als widerwilliger Seelentröster stellenweise etwas konstruiert erscheint. Renarin und Rlain sorgen für stille, berührende Augenblicke, die lange nachwirken, während Dalinars umfangreiche Rückblenden immer mehr das Gesamtbild entfalten.

Wenn schließlich das Ende naht, tut es das mit einer Wucht, die gleichermaßen überrascht und überrollt. Sorgfältig aufgebaute Erwartungen werden nicht einfach erfüllt oder gebrochen, sondern gezielt unterlaufen, vertraute Gewissheiten in ihre Einzelteile zerlegt. Die Handlung gerät vollkommen außer Kontrolle, kippt von einem Moment auf den nächsten in ein Chaos aus Dramatik, Tragik und überwältigender Konsequenz. Nichts fügt sich ordentlich zusammen, nichts wird sanft aufgelöst. Statt eines klaren, finalen Paukenschlags zerplatzt die Katastrophe wie ein prall gefüllter Ballon direkt über dem Kopf, ergießt sich wie eine eisige Flut aus Schmerz, Erkenntnis und unabwendbaren Folgen. Man wird nicht vorbereitet, nicht geschont, sondern mitten hineingestoßen. Zurück bleibt kein Gefühl von Abschluss oder Erleichterung, sondern ein intensives, nachhallendes Erschrecken – ein Echo, das noch lange weiterklingt, nachdem die letzte Seite gelesen ist.

Am Ende steht man da, völlig entsetzt über das, was man soeben gelesen hat. Selten reißt ein Buch derart mit, dass man nach dem Zuklappen erst einmal wieder auf das eigene Leben klarkommen muss. „Der Kampf der Meister“ ist kein bloßer Abschluss, sondern ein Ereignis – ein Roman, der fordert, erschüttert und lange im Gedächtnis bleibt. Verdienterweise ist dieser Band ein Meisterwerk der Phantastik und ein eindrucksvoller Beweis dafür, warum Brandon Sanderson zu den ganz Großen seines Genres zählt.

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