Ashley Shuttleworth: A Dark and Hollow Star [Rezension]

Cover © Cross Cult

Buchinformationen

TitelA Dark and Hollow Star – Nichts ist gefährlicher als ein Märchen
Band1 von 4
AutorAshley Shuttleworth
VerlagCross Cult
ÜbersetzungKatarina Rinas
ISBN978-3-98666-336-0
Seitenzahl672
GenreUrban Fantasy
Bewertung4,5 von 5 Sterne

Klappentext

Seit Jahrhunderten leben die Acht Höfe der Feen mitten unter uns, verborgen durch Magie und an das Gesetz gebunden, den Menschen nicht zu schaden. Lange hat dieses Arrangement für Frieden zwischen den Höfen gesorgt – bis eine Reihe grausamer Ritualmorde Toronto erschüttern und drohen, die Feen der Menschenwelt gegenüber zu enttarnen.
Vier queere Jugendliche, von denen jeder einzelne einen wichtigen Teil der Wahrheit hinter diesen Morden hütet, bilden eine angespannte Allianz, um den geheimnisvollen Killer zu schnappen. Wenn sie versagen, riskieren sie sowohl die Zerstörung der Feenwelt als auch die der Menschen. Und als ob das nicht schon schlimm genug ist, droht ein Krieg zwischen dem Reich der Sterblichen und Unsterblichen, und einer dieser Jugendlichen ist dazu bestimmt, das Blatt zu wenden. Bleibt nur die Frage: in welche Richtung?
Wünsch ihnen Glück. Sie werden es brauchen.

Meine Meinung

Mit „A Dark and Hollow Star“ legt Ashley Shuttleworth den ersten Band der „Hollow Star“-Saga vor – und was für ein Auftakt das ist! Dieses Buch hat mich von der ersten Seite an in seinen Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Es ist eine Urban Fantasy, die so viel mehr bietet als nur Magie und Monster: eine detailreich erschaffene Welt, authentische Charaktere und eine queere Repräsentation, die sich natürlich, ehrlich und wunderbar selbstverständlich anfühlt.

Schon die Grundidee begeistert – Feen, Magie und uralte Machtkämpfe mitten im modernen Toronto – eine Kombination, die auf den ersten Blick recht gewöhnlich klingt, aber bei Ashley Shuttleworth zu einem hochinteressanten Gesamtbild verschmilzt. In their Welt existieren das Alltägliche und das Übernatürliche Seite an Seite: glänzende Wolkenkratzer treffen auf geheime Portale, in verrauchten Cafés flüstern Hexen über uralte Prophezeiungen, und unter der scheinbar ruhigen Oberfläche der Stadt pulsiert ein Netz aus Intrigen, Macht und Magie. Shuttleworth gelingt es mit beeindruckender Leichtigkeit, eine Welt zu erschaffen, die vor Leben sprüht – man spürt förmlich, dass jede Straße, jeder Schatten, jedes Licht in dieser Geschichte Bedeutung trägt. Von den düsteren Gassen, in denen sich dunkle Magie wie Nebel über das Pflaster legt, bis hin zu den funkelnden Höfen der Feenreiche, wo Schönheit und Gefahr oft Hand in Hand gehen – jedes Setting ist bildgewaltig und detailverliebt beschrieben. Jeder Ort, jedes magische System, jede Regel dieser Welt scheint mit einer fast wissenschaftlichen Präzision durchdacht, ohne dabei an Magie zu verlieren. Statt kalter Struktur entsteht etwas Organisches, etwas, das lebt und atmet. Man merkt auf jeder Seite, wie viel Herzblut und Leidenschaft der Autor in their Universum gesteckt hat. Diese Liebe zum Detail verleiht der Geschichte eine Tiefe, die man in moderner Fantasy selten so eindrucksvoll findet – nichts wirkt oberflächlich oder bloß skizziert, sondern sorgfältig erschaffen, mit Seele gefüllt und in brillantem Glanz zum Leben erweckt.

Doch das wahre Herzstück dieses Romans sind – ohne jeden Zweifel – die Figuren. Ashley Shuttleworth beweist hier ein feines Gespür für Charakterzeichnung und emotionale Tiefe. Nausicaä, Arlo, Vehan und Aurelian sind keine bloßen Protagonisten, sondern vielschichtige Persönlichkeiten, deren Geschichten ineinandergreifen wie kunstvoll gewebte Fäden in einem großen, magischen Teppich. Jede von ihnen trägt ihre eigene Last, ihre eigene Vergangenheit, ihre eigenen Träume – und genau das macht sie so greifbar. Nausicaä etwa, die verbitterte, zynische Unsterbliche, trägt eine faszinierende Mischung aus Dunkelheit und verletzter Menschlichkeit in sich. Arlo, halb Mensch, halb Fee, verkörpert das Ringen zwischen zwei Welten, die sich nie ganz vertragen wollen – ein Konflikt, der sie ebenso prägt wie antreibt. Vehan, der charmante Prinz mit dem goldenen Herzen, und Aurelian, sein pflichtbewusster, innerlich zerrissener Wächter, bilden ein Duo, das in seiner Dynamik zwischen Zärtlichkeit, Loyalität und unausgesprochenen Gefühlen elektrisierend wirkt.

Jede Figur hat Ecken und Kanten, Zweifel und Schwächen, aber gerade das macht sie so außergewöhnlich nahbar. Sie sind nicht perfekt, und genau deshalb fühlt man mit ihnen – bei jeder Entscheidung, jedem Rückschlag, jedem kleinen Triumph. Und das Beste: Schon in diesem ersten Band wachsen sie sichtbar über sich hinaus. Ihre Entwicklung geschieht behutsam, organisch, nie erzwungen – ein stiller, aber spürbarer Prozess, der sie mit jeder Seite menschlicher, echter, lebendiger macht. Die wechselnden Perspektiven sind dabei kein reines Stilmittel, sondern ein Fenster in verschiedene Seelen. Jede Stimme hat ihren eigenen Klang, ihre eigene Wahrheit, und dennoch verweben sie sich zu einem harmonischen Ganzen. Keine Figur fühlt sich blass oder austauschbar an – im Gegenteil: sie ergänzen und kontrastieren einander auf faszinierende Weise, sodass man beim Lesen das Gefühl hat, einer Gruppe echter Personen zu begegnen, die man am liebsten bis ans Ende dieser Saga begleiten möchte.

Ein ganz besonderes Highlight dieses Romans ist seine Queerness – und wie selbstverständlich sie in die Geschichte verwoben ist. „A Dark and Hollow Star“ ist nicht einfach ein Buch, das queere Repräsentation bietet; es lebt und atmet Queerness in allen Facetten. In den Figuren, in ihren Beziehungen, in den stillen Momenten zwischen ihnen und in der Art, wie sie sich selbst und ihre Welt verstehen. Diese Vielfalt ist kein Zusatz, kein Statement, das mit erhobenem Zeigefinger präsentiert wird – sie ist Teil des Herzschlags dieser Geschichte. Ashley Shuttleworth schafft es meisterhaft, ein Universum zu gestalten, in dem Queerness selbstverständlich ist, in dem niemand sich rechtfertigen muss, niemand in starre Rollen gepresst wird. Beziehungen entstehen aus Nähe, Vertrauen und Gefühl – nicht aus gesellschaftlichen Erwartungen. Es ist erfrischend, diese Figuren zu erleben, die einfach sie selbst sein dürfen: ohne Erklärungen, ohne Tragödie als Zwangspunkt der Identität. Dabei deckt das Buch ein weites Spektrum queerer Identitäten ab – von nicht-binären Charakteren über queere Romanzen bis hin zu komplexen Genderdarstellungen. Doch das Beeindruckende ist: nichts davon wirkt konstruiert oder aufgesetzt. Die Vielfalt entsteht organisch, wächst aus den Figuren heraus und wirkt dadurch ehrlich, warm und zutiefst menschlich. Diese Art der Darstellung ist nicht nur schön zu lesen, sondern auch ein stilles Versprechen an alle queeren Leser: Du gehörst hierher, in diese Welt, ganz selbstverständlich.

Shuttleworth beweist, dass queere Fantasy nicht laut oder erklärend sein muss, um berührend und kraftvoll zu wirken. Sie ist einfach da – natürlich, unaufgeregt und dennoch von großer Bedeutung. Gerade diese Selbstverständlichkeit macht das Buch so wohltuend, so leuchtend anders. Es ist, als würde man in einer Welt ankommen, in der Vielfalt keine Besonderheit mehr ist, sondern schlicht Realität – und das ist wunderschön.

„A Dark and Hollow Star“ ist mehr als nur der Auftakt einer neuen Fantasyreihe – es ist der Grundstein für etwas Großes, für eine Geschichte, die Magie, Identität und Menschlichkeit auf beeindruckende Weise miteinander verwebt. Ashley Shuttleworth hat mit diesem ersten Band ein Werk geschaffen, das sich durch seine detailreiche Welt, seine fesselnde Handlung und seine ehrliche, selbstverständlich gelebte Queerness deutlich von der Masse des Genres abhebt. Man spürt auf jeder Seite, wie viel Leidenschaft, Hingabe und Herzblut in dieser Geschichte steckt. They erzählt mit einer Intensität, die berührt, mit einem Blick für Nuancen, der Figuren lebendig macht, und mit einer Kreativität, die ihresgleichen sucht. „A Dark and Hollow Star“ ist nicht nur spannend, sondern auch bedeutungsvoll – ein Buch, das zeigt, wie vielfältig, emotional und tiefgehend Urban Fantasy sein kann. Eine klare Empfehlung für alle, die Magie lieben, komplexe Charaktere schätzen und sich nach Geschichten sehnen, in denen Diversität ein authentischer Teil der magischen Welt ist.

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