
Buchinformationen
| Titel | Finale |
| Band | 3 von 3 |
| Autor | Stephanie Garber |
| Verlag | Piper |
| Übersetzung | Diana Bürgel |
| ISBN | 978-3-492-70823-4 |
| Seitenzahl | 480 |
| Genre | Epische Fantasy, Romantasy |
| Bewertung | 4 von 5 Sterne |
Klappentext
Das magische Festival Caraval fordert stets einen Tribut, selbst wenn das Spiel längst vorbei ist. Denn Master Legend ist der Herr der Illusion. Seine Magie hat das Spiel Caraval erschaffen, doch er will mehr. Viel mehr. Für Donatella und ihre Schwester Scarlett beginnt ein Wettlauf um das ihr Leben, in dem Freund und Feind nicht klar zu erkennen sind. Wem können sie vertrauen? Was hat Legend vor? Gibt es einen Ausweg oder werden sie am Ende alles verlieren?
Meine Meinung
Mit „Finale“ bringt Stephanie Garber ihre erfolgreiche Caraval-Trilogie zu einem Ende. Wie der Titel bereits ankündigt, handelt es sich um den Abschluss der märchenhaften, geheimnisumwobenen Welt, in der Magie und Illusionen zum Alltag gehören. Leider bleibt dieses Finale – trotz vieler vielversprechender Zutaten – hinter den Erwartungen zurück.
Zum ersten Mal in der Reihe wird die Geschichte nicht nur aus einer, sondern gleich aus zwei Perspektiven erzählt: Sowohl Scarlett als auch Donatella dürfen in „Finale“ ihre Sicht der Dinge schildern. Auf dem Papier klingt das nach einer reizvollen Idee – schließlich könnten dadurch nicht nur ihre inneren Konflikte differenzierter beleuchtet, sondern auch emotionale Tiefe und Komplexität aufgebaut werden. In der Umsetzung erweist sich dieser doppelte Blickwinkel jedoch als unausgewogen. Donatella nimmt eindeutig den Löwenanteil der Erzählung für sich in Anspruch – sowohl was die Anzahl der Kapitel betrifft als auch im Hinblick auf den inhaltlichen Fokus. Ihre Entscheidungen, ihre Gefühle, ihre Beziehungen – alles scheint sich um Tella zu drehen, während Scarletts Perspektive vergleichsweise blass bleibt. Das wäre zu verschmerzen, wenn Donatellas Handlungsstrang überzeugend wäre. Doch genau hier liegt das Problem: Ihre Geschichte wirkt überdramatisiert, unstet und emotional wenig greifbar. Die Konflikte, mit denen sie konfrontiert wird – insbesondere das inzwischen ermüdende Hin und Her zwischen Legend und Jacks – bauen keine echte Spannung auf, sondern ziehen sich wie ein endloser Kreis ohne klaren emotionalen Höhepunkt. Statt Tiefe zu gewinnen, verliert sich die Erzählung in Wiederholungen und wirkt zunehmend konstruiert. Was als vielversprechendes erzählerisches Stilmittel beginnt, endet in einer disbalancierten Erzählstruktur, bei der man sich mehr als einmal fragt, warum zwei Perspektiven überhaupt nötig waren – wenn am Ende doch nur eine wirklich zählt.
Ein zentraler Schwachpunkt von „Finale“ ist das deutlich gedrosselte Erzähltempo. Was einst durch überraschende Wendungen und ein Gefühl ständiger Bewegung glänzte, verkommt hier phasenweise zu einer zähen Aneinanderreihung von Szenen, die sich wie Füllmaterial anfühlen. Anstatt die Geschichte konsequent voranzutreiben oder den Figuren neue Facetten zu verleihen, verliert sich der Roman immer wieder in bedeutungslosen Dialogen, repetitiven Gedanken und Nebenschauplätzen, die kaum etwas zur eigentlichen Handlung beitragen. Besonders deutlich wird dieses erzählerische Stolpern in Scarletts Handlungsbogen. Ihre Geschichte, die im ersten Band noch emotional mitreißend war, wirkt hier merkwürdig konstruiert. Ihr innerer Konflikt – ob sie Julian, den Mann, den sie liebt, heiraten soll, oder den ihr versprochenen Grafen – wirkt nicht nur deplatziert, sondern auch völlig unglaubwürdig. Sie ist augenscheinlich glücklich mit Julian, ihre Gefühle für ihn sind ungebrochen stark, und dennoch wird ein Entscheidungskonflikt inszeniert, der schlichtweg keinen dramatischen Boden hat. Dieses aufgebauschte Dilemma lässt sich nur schwer ernst nehmen. Es wirkt, als hätte man verzweifelt versucht, Scarletts Handlung künstlich mit Dramatik aufzuladen, obwohl es keinen echten Konflikt mehr gibt. Ihr Hadern erscheint nicht nur unlogisch, sondern im Kontext ihrer bisherigen Entwicklung auch enttäuschend rückschrittlich – und gegenüber Julian, der sich in den vorherigen Bänden mehrfach als treu, selbstlos und verlässlich erwiesen hat, schlicht unfair. Was hier als romantische Spannung verkauft werden soll, entlarvt sich schnell als erzählerisches Leerlaufprogramm. Und so bleibt das Gefühl, dass Scarletts Kapitel weniger zur Charakterentwicklung beitragen als vielmehr als Platzhalter dienen – in einem Buch, das ohnehin schon an erzählerischer Substanz spart.
Auch Donatellas Liebesdreieck mit Legend und Jacks – das eigentlich als emotionaler Kern ihrer Geschichte fungieren soll – hinterlässt mehr Stirnrunzeln als Herzklopfen. Was vielleicht als spannungsgeladene Dynamik zwischen drei komplexen Figuren gedacht war, entwickelt sich stattdessen zu einer unentschlossenen, unstet erzählten Beziehungskonstellation, die weder emotional noch dramaturgisch trägt. Donatellas Gefühle scheinen von Kapitel zu Kapitel eine andere Richtung einzuschlagen. Mal ist es Legend, der sie wie ein dunkler Stern anzieht, mal ist es Jacks, dessen gefährliche Aura und tragische Züge sie plötzlich nicht mehr loslassen kann. Doch statt einer innerlich zerrissenen Heldin erleben wir eine Figur, deren Entscheidungen kaum nachvollziehbar erscheinen und deren Beweggründe selten greifbar sind. Ihre Schwankungen wirken weniger wie Ausdruck echter innerer Konflikte, sondern vielmehr wie narrative Werkzeuge, um künstlich Spannung zu erzeugen – selbst wenn diese sich inhaltlich kaum rechtfertigen lässt. Die emotionale Tiefe, die man sich von einem solchen Dreiecksverhältnis erhofft – eine Art bittersüßes Ringen zwischen Herz und Verstand – bleibt völlig aus. Die Grundlage für Donatellas Zerrissenheit ist schlicht zu schwach: Weder Legend noch Jacks machen in diesem Band eine relevante Entwicklung durch, noch erhält der Leser neue, bedeutungsvolle Einblicke in ihre Beziehung zu Tella. Legend bleibt der unnahbare, geheimnisvolle Spieler, während Jacks als gefährlich-romantisierte Figur mit zweifelhaften Absichten ebenfalls kaum Profil gewinnt. Ironischerweise bleibt ausgerechnet Donatella – die impulsive, leidenschaftliche Schwester – inmitten dieses angeblich großen emotionalen Konflikts erstaunlich farblos. Ihre Handlungen wirken oft wie aus der Luft gegriffen, ihre Motivation bleibt schleierhaft. So verliert auch dieser Storyzweig an Kraft und verkommt letztlich zu einem müden Hin und Her, dem das emotionale Gewicht fehlt, das ein packender Abschlussband eigentlich dringend gebraucht hätte.
Trotz aller Schwächen verdient ein Aspekt in „Finale“ ausdrücklich Lob: der gelungene Ausbau der sogenannten Schicksalsmächte. Diese geheimnisvollen, gottähnlichen Wesen wurden bereits in „Legendary“ angedeutet, blieben dort jedoch eher im Hintergrund und wirkten mehr wie eine schillernde Idee am Rande. In „Finale“ aber treten sie endlich ins Rampenlicht – und mit ihnen betritt eine ganz neue Ebene der Bedrohung und Faszination die Bühne. Die Schicksalsmächte bringen eine mythologische Tiefe in die Geschichte, die den vorherigen Bänden oft fehlte. Sie wirken wie Relikte einer uralten Weltordnung, übermächtig, unberechenbar und jenseits menschlicher Moralvorstellungen. Ihr Eingreifen in die Handlung hat spürbare Konsequenzen – und das nicht nur für die Protagonistinnen, sondern für die gesamte Welt, in der die Geschichte spielt. Es entsteht eine spürbare Fallhöhe, ein Hauch von Epik, wie man ihn sich von einem Trilogie-Finale erhofft. Gerade in jenen Momenten, in denen die Schicksalsmächte aktiv werden, erwacht Garbers Welt zu neuem Leben. Die Atmosphäre wird dichter, dunkler, spannungsgeladener. Es sind diese Szenen, in denen der ursprüngliche Zauber von „Caraval“ noch einmal aufflackert – voller fantastischer Bilder, unterschwelliger Bedrohung und jener surrealen Magie, die den ersten Band so besonders gemacht hat. In diesen Passagen fühlt sich „Finale“ endlich wieder wie ein Fantasyroman an, der mehr will als nur Liebeswirren zu inszenieren. Schade nur, dass dieser gelungene Aspekt nicht stärker in den Gesamtkontext eingebunden wurde – denn das Potenzial für eine deutlich düsterere, faszinierendere Geschichte war eindeutig vorhanden. So bleiben die Schicksalsmächte das leuchtende Highlight in einem ansonsten leider eher matten Abschluss.
„Finale“ hat das Potenzial für einen packenden, emotionalen Abschluss – aber es bleibt ungenutzt. Zu viele schwache Konflikte, zu wenig echter Fortschritt, zu viel Fokus auf unüberzeugende Liebesdramen. Der Charme, der „Caraval“ einst so besonders machte – die dichte Atmosphäre, die überraschenden Wendungen, die emotionale Wucht – fehlt hier weitgehend. Wer gehofft hatte, das Finale würde die Magie der Reihe krönen, wird enttäuscht zurückgelassen.
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