
Buchinformationen
| Titel | Legendary |
| Band | 2 von 3 |
| Autor | Stephanie Garber |
| Verlag | Piper |
| Übersetzung | Diana Bürgel |
| ISBN | 978-3-492-70822-7 |
| Seitenzahl | 448 |
| Genre | Epische Fantasy, Romantasy |
| Bewertung | 4 von 5 Sterne |
Klappentext
Donatella Dragna hatte kaum Zeit, sich an ihr neues Leben bei den Caraval-Schauspielern zu gewöhnen, als sie erfährt, dass Caraval-Master Legend die Aufführung eines neuen Spiels plant. Inmitten der Vorbereitungen spielt Donatella jedoch ein anderes, ebenso tödliches Spiel: Sie hat Schulden und es ist an der Zeit, diese zu begleichen.
Wenn Donatella die Freiheit behalten will, die sie und ihre Schwester Scarlett sich so hart erkämpft haben, muss sie den Master von Caraval hintergehen. Donatella weiß, dass Legend gefährlich ist, doch sie lässt sich auf sein Spiel ein. Und obwohl sie sich geschworen hat, dass sie sich nie verlieben wird, ist ihr Herz plötzlich genauso in Gefahr wie ihr Leben …
Meine Meinung
Stephanie Garbers „Legendary“ ist der zweite Akt eines Zaubers, der sich mit glitzerndem Glamour und dunklen Geheimnissen über eine kaiserliche Hauptstadt legt – und dabei versucht, mit neuer Hauptfigur, erweiterten mythologischen Dimensionen und gesteigertem Einsatz dem fulminanten Auftakt „Caraval“ gerecht zu werden. Die gute Nachricht: Es ist spannend, opulent und atmosphärisch wie eh und je. Die schlechte: Protagonistin Donatella Dragna ist leider nicht ganz so legendär, wie der Titel vermuten lässt.
Nachdem in „Caraval“ Scarletts Perspektive dominiert hat, wechselt die Erzählung nun zu ihrer jüngeren Schwester Donatella. Eine willkommene Idee – immerhin war Tella im ersten Teil eher das verschwundene Mysterium als eine echte Figur. Doch was vielversprechend beginnt, verheddert sich schnell in Tellas Widersprüchen: Sie soll impulsiv, leidenschaftlich, klug und unerschrocken sein – ist aber über weite Strecken vor allem eines: unreif. Man merkt, dass Garber Tella als Kontrast zu Scarlett gezeichnet hat – temperamentvoll statt bedacht, kämpferisch statt vorsichtig. Doch wo Scarlett im ersten Band spürbar wächst und eigene Grenzen überwindet, bleibt Tella eine selbstgerechte und impulsive Göre, die selten über den eigenen Tellerrand schaut. Ihre Motivation – das Aufdecken von Legends Identität und die Rettung ihrer Mutter – wird mit dramatischem Ernst vorgetragen, doch Tellas innere Entwicklung hinkt dem Abenteuer heillos hinterher. Kein Wachstum, keine Reue, keine echte Selbstreflexion. Nur viele hübsche Kleider und gefährliche Küsse.
Ein weiteres großes Versprechen des ersten Bandes war die Frage: Wer ist Legend? In „Legendary“ erfahren wir es – und genau hier liegt das Problem. Denn das, was zuvor als charismatische, schattenhafte Schachfigur über dem Spiel stand, entpuppt sich als … erstaunlich formlos. Legend wirkt wie der Schatten seiner eigenen Legende, ungreifbar, glatt und dramaturgisch überraschend schwach. Seine Dialoge haben weder die Schärfe noch die Tiefe, die man nach so viel Aufbau erwarten würde. Ein klassischer Fall von: lieber hätte man das Geheimnis nicht gelüftet.
Wäre der Roman ein Kartenspiel, wäre Jacks, der Prinz der Herzen, der Joker – chaotisch, gefährlich und das einzige echte Überraschungselement. Mit blutrotem Mundwinkel und kaltem Blick bringt er eine düstere Romantik ins Spiel, die der Geschichte einen Hauch von schwarzer Magie verleiht. Er ist zugleich unheimlich und charmant – und damit der einzige Charakter, der wirklich Ambivalenz ausstrahlt. Warum er sich ausgerechnet für Tella interessiert, bleibt allerdings schleierhaft. Ihre Interaktionen sind prickelnd, aber inhaltlich kaum fundiert. Das entstehende Love Triangle zwischen Tella, Legend und Jacks wirkt entsprechend weniger wie ein Konflikt als wie eine verwirrte Gefühlscollage. Man merkt: Hier war mehr geplant, als am Ende durchdacht wurde.
Was „Legendary“ hingegen meisterhaft gelingt, ist die Ausweitung der Welt. Mit der Einführung der Schicksalsmächte – uralte, gottgleiche Wesen, die in einer Art Tarotdeck gefangen sind – öffnet sich das Caraval-Universum in eine mythologische Richtung, die extrem viel Potenzial bietet. Noch spielen diese Figuren eher eine Nebenrolle, doch schon jetzt ist klar: Hier schlummert ein faszinierender Unterbau, der die Trilogie langfristig tragen kann.
Ebenso gelungen ist die Verlagerung des Spiels in die kaiserliche Hauptstadt Valenda, deren Gassen, Paläste und Märkte ein atmosphärisches Setting bieten. Das neue Caraval wirkt opulenter, düsterer, raffinierter – und Tellas persönliche Queste, deren Scheitern mit dem Verlust ihres eigenen Herzens (im wahrsten Sinne!) endet, sorgt für echtes Drama. Spannung? Durchaus. Nur die emotionale Tiefe bleibt dabei eben hinter der Kulisse zurück.
„Legendary“ ist ein kunstvoll verziertes Juwel – mit schimmernder Oberfläche, brillanter Weltgestaltung und düsteren Versprechen. Doch im Zentrum steht eine Protagonistin, die den eigenen Namen nicht trägt. Donatella hat viele Facetten, doch echte Entwicklung? Fehlanzeige. Legend bleibt blass, Jacks stiehlt allen die Show – und das Love Triangle ist ein einziges Gefühlskuddelmuddel. Trotzdem: Wer sich auf die Welt einlässt, wird belohnt – mit Spannung, Fantasie und einem Gefühl dafür, dass da noch mehr kommen wird.
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