
Buchinformationen
| Titel | Immortal Longings – Ein Spiel auf Liebe und Tod |
| Band | 1 von 3 |
| Autor | Chloe Gong |
| Verlag | Hobbitpresse |
| Übersetzung | Elena Helfrecht |
| ISBN | 978-3-6089-6626-8 |
| Seitenzahl | 430 |
| Genre | High Fantasy, Romantasy |
| Bewertung | 4 von 5 Sterne |
Klappentext
Jedes Jahr strömen Tausende nach San-Er, der gefährlichen, engbesiedelten Hauptstadt des Königreichs von Talin. Dort richtet der Palast jährlich eine Reihe tödlicher Spiele aus. Diejenigen, die sich ihrer magischen Fähigkeit, zwischen Körpern hin- und herzuspringen, sicher genug sind, können dort an einem Kampf auf Leben und Tod teilnehmen – mit der Chance, unvorstellbare Reichtümer zu gewinnen.
Prinzessin Calla ist untergetaucht, seit sie ihre Eltern ermordet hat, weil sie das Volk von Talin von der tyrannischen Königsfamilie befreien will. Nur eine Person steht ihr dabei noch im Weg: ihr extrem zurückgezogen lebender Onkel, König Kasa. Wenn sie die Spiele gewinnt, hat sie endlich die Chance, ihm nahe genug zu kommen, um ihn zu töten. Ihr gegenüber steht Anton, ein junger Mann, der sich tief verschuldet hat. Die Spiele zu gewinnen ist seine letzte Chance, seine im Koma liegende Jugendliebe und sich selbst vor seinen Schuldnern zu retten. Als Anton Calla ein unerwartetes Bündnis vorschlägt, entwickelt sich ihre Partnerschaft schnell zu einer leidenschaftlichen, alles verzehrenden Verbindung. Doch bevor die Spiele enden, muss Calla sich entscheiden, wofür sie spielt – für ihren Geliebten oder ihr Königreich. Denn egal was passiert, nur einer von ihnen kann das Spiel lebend verlassen…
Meine Meinung
„Immortal Longings – Ein Spiel auf Liebe und Tod“ ist der Auftakt einer neuen Fantasy-Trilogie der Autorin Chloe Gong, die am 28. September 2024 in der deutschen Übersetzung von Elena Helfrecht bei der Hobbit Presse erschienen ist.
Die Handlung spielt in der interessanten und zugleich gnadenlosen Zwillingsstadt San-Er, einer Metropole, die in ihrer Dichte, ihrem Chaos und ihrer anarchischen Energie an die berüchtigte Kowloon Walled City in Hongkong erinnert. Hoch aufragende, baufällige Gebäude drängen sich dicht an dicht, ihre Fassaden überwuchert von Neonlichtern und flackernden Werbetafeln. Enge Gassen winden sich wie ein Labyrinth durch das Stadtinnere, wo der Lärm des Marktes, das Murmeln geheimer Geschäfte und das Flüstern über tödliche Intrigen die Luft erfüllen. Überall lauern Gefahren – von den skrupellosen Banden, die die Straßen beherrschen, bis hin zu den Herrschenden, die aus dem Schatten heraus über Leben und Tod entscheiden.
San-Er ist ein Ort der Extreme, an dem Luxus und Dekadenz der Oberschicht in scharfem Kontrast zur Verzweiflung der Armen stehen. Doch einmal im Jahr wird diese Hierarchie ins Wanken gebracht, wenn die berüchtigten Spiele beginnen. Dann strömen Herausforderer aus allen Winkeln der Stadt zusammen – Kämpfer, Strategen, Verräter und Verzweifelte –, alle mit einem einzigen Ziel: den ultimativen Sieg zu erringen. Doch in diesen Spielen geht es nicht nur um rohe Gewalt oder taktische Brillanz. Die Teilnehmer besitzen eine außergewöhnliche Gabe – die Fähigkeit, ihren Geist aus ihrem eigenen Körper zu lösen und in einen anderen zu schlüpfen. Dieser einzigartige magische Kunstgriff macht das Turnier unberechenbar: Ein geschickter Kämpfer kann blitzschnell in einen stärkeren Körper wechseln, ein raffinierter Stratege kann Feinde aus dem Inneren heraus manipulieren. Doch ebenso ist niemand davor sicher, selbst zur Marionette eines anderen zu werden. In diesem tödlichen Spiel, in dem Täuschung und Verrat allgegenwärtig sind, bedeutet ein einziger Fehler oft den sicheren Tod.
Die Stadt San-Er erwacht in Chloe Gongs „Immortal Longings“ mit einer intensiven, fast greifbaren Atmosphäre zum Leben. In ihren engen, labyrinthischen Gassen pulsiert das Chaos, während das Flackern unzähliger Laternen die dunklen Ecken der überbevölkerten Metropole nur unzureichend erhellt. Die Armut und das Elend der Unterstadt stehen im krassen Gegensatz zum prunkvollen Glanz der Palastviertel, in denen die Mächtigen über das Schicksal der Spielteilnehmer entscheiden. Jeder Winkel von San-Er birgt Gefahren – sei es durch skrupellose Banden, die um die Kontrolle kämpfen, oder durch die tödlichen Spiele selbst, in denen das eigene Überleben von Geschick, List und purer Entschlossenheit abhängt.
Die Protagonistin Calla ist mehr als nur eine Prinzessin – sie ist eine Thronerbin ohne Krone, eine Attentäterin mit einem einzigen, alles verschlingenden Ziel: den Mann zu stürzen, der ihre Familie zerstört hat. Seit der brutalen Ermordung ihrer Eltern lebt sie im Untergrund, verborgen zwischen den Schatten der überfüllten Straßen von San-Er, während ihr Onkel, König Kasa, mit eiserner Faust über das Königreich Talin herrscht. Doch Calla wartet nicht einfach ab – sie plant. Jede Bewegung, jeder Atemzug ist darauf ausgerichtet, sich ihm eines Tages zu nähern und das zu vollenden, was sie einst begann. Diese Gelegenheit bietet sich, als die tödlichen Spiele von San-Er ausgerufen werden. Es ist eine blutgetränkte Arena, in der nur die Stärksten überleben – und für Calla das perfekte Schachbrett, um ihre nächsten Züge auszuführen. Hier begegnet sie Anton Makusa, einem jungen Mann mit einer eigenen Bürde. Anton hat seine Vergangenheit hinter sich gelassen und lebt als flüchtiger Spieler, stets getrieben von einem verzweifelten Wunsch: den Sieg zu erringen, um seine im Koma liegende Jugendliebe zu retten.
Anfangs ist ihre Allianz rein pragmatisch – zwei Kämpfer, die sich inmitten einer Arena voller Feinde gegenseitig den Rücken freihalten. Doch mit jeder gemeinsamen Schlacht, jedem geteilten Moment zwischen Leben und Tod, beginnt sich etwas zwischen ihnen zu verändern. In Calla wächst eine ungewohnte Zuneigung, eine Verbindung, die über bloße Zweckgemeinschaft hinausgeht. Anton, dessen Herz einst einer anderen gehörte, findet sich wider Willen in ihrem Bann wieder. Doch kann Liebe in einem Spiel überleben, in dem Vertrauen tödlich und Verrat unausweichlich ist? Während die Arena sie immer tiefer in ihre Intrigen verstrickt, stehen Calla und Anton vor einer Entscheidung: Ist ihr Bündnis stark genug, um den Sturm zu überstehen – oder werden sie sich am Ende als Feinde gegenüberstehen?
Ein besonders spannendes Element der Welt ist die Fähigkeit der Charaktere, ihre Essenz, ihr Bewusstsein, in andere Körper zu übertragen. Diese ungewöhnliche Gabe eröffnet nicht nur taktische Möglichkeiten in den brutalen Wettkämpfen, sondern wirft auch tiefgehende Fragen nach Identität, Moral und Kontrolle auf. Was bedeutet es, einen fremden Körper zu steuern? Wie weit ist ein Mensch bereit zu gehen, wenn er weiß, dass sein eigener Leib nicht sein einziges Gefäß ist? Diese magische Komponente verleiht der ohnehin spannungsgeladenen Geschichte eine zusätzliche Dimension, die das ohnehin unvorhersehbare Spielgeschehen noch komplexer und fesselnder macht.
Allerdings weist der Plot auch zu Beginn einige Längen auf, da die Autorin viel Zeit auf Beschreibungen verwendet. Die Spannung steigt jedoch im letzten Drittel deutlich an, gekennzeichnet durch actionreiche Szenen und überraschende Wendungen. Das Buch endet mit einem Cliffhanger, der die Leser auf die Fortsetzung gespannt warten lässt.
Insgesamt bietet „Immortal Longings“ einen interessanten Einstieg in eine neue Fantasy-Welt mit originellen Ideen und komplexen Charakteren. Trotz kleinerer Schwächen in der Handlung überzeugt das Buch durch seine Atmosphäre und die innovative Magie. Fans von dystopischen Fantasy-Geschichten werden hier auf ihre Kosten kommen.