
Buchinformationen
| Titel | All the Devils |
| Band | Einzelband |
| Autor | Catelyn Wilson |
| Verlag | Heyne |
| Übersetzung | Nina Lieke |
| ISBN | 978-3-453-32334-6 |
| Seitenzahl | 448 |
| Genre | Dark Fantasy |
| Bewertung | 4,5 von 5 Sterne |
Klappentext
Andy Emmerson trauert um ihre Schwester Violet, die bei einem Unfall an der Ravenswood Academy ums Leben kam. Doch bei der Beerdigung findet sie heraus, dass die Tote im Sarg nicht ihre Schwester ist. Violet ist noch am Leben, und Andy ist sich sicher, dass jemand an der Ravenswood Academy weiß, wo sie ist. Kurzerhand schreibt sie sich an dem Elite-Internat ein. Schon in der ersten Nacht findet Andy einen verschlüsselten Hinweis ihrer Schwester. War Violet Mitglied einer Geheimgesellschaft? Und was hat der so geheimnisvolle wie gut aussehende Jae Han mit ihrem Verschwinden zu tun?
Meine Meinung
Mit „All the Devils“ hat Catelyn Wilson einen fesselnden Dark-Academia-Roman geschaffen, der Leser von der ersten Seite an in seinen Bann zieht. Das Buch verbindet klassische Elemente von düsteren Internatsgeschichten mit einem übernatürlichen Mystery-Thriller und einer Prise gotischer Atmosphäre.
Die Geschichte folgt Andromeda „Andy“ Emmerson, die nach dem plötzlichen Tod ihrer Schwester Violet versucht, mit dem Verlust umzugehen. Am Tag der Beerdigung macht Andy jedoch eine schockierende Entdeckung: Die Person im Sarg ist nicht ihre Schwester. Überzeugt davon, dass Violet noch lebt, vermutet Andy, dass die exklusive Ravenswood Academy, an der Violet zuletzt war, etwas vertuscht. Entschlossen, die Wahrheit herauszufinden, schreibt sie sich an der Akademie ein. Dort stößt sie auf geheime Gesellschaften, alte Magie, Dämonen und Monster. Unterstützung findet sie bei Jae Han, einem charmanten Schüler im Abschlussjahr, der seine eigenen Gründe hat, nach Violet zu suchen. Gemeinsam folgen sie einer Reihe von Hinweisen, die Violet hinterlassen hat, und entdecken dabei dunkle Geheimnisse, die die Grenzen zwischen Realität und Übernatürlichem verschwimmen lassen.
Einer der stärksten Aspekte von „All the Devils“ ist die dichte, düstere Atmosphäre, die sich durch das gesamte Buch zieht. Catelyn Wilson erschafft eine faszinierende Internatswelt, die gleichermaßen verzaubert und erschreckt. Die Ravenswood Academy wirkt mit ihren gotischen Gebäuden, dunklen Bibliotheken und verborgenen Katakomben wie eine Mischung aus Hogwarts und einer unheimlichen Spukvilla. Jede Seite ist durchdrungen von einem Gefühl der Beklemmung, und je weiter Andy und Jae in das Mysterium eindringen, desto deutlicher wird, dass die Schule ein finsteres Geheimnis verbirgt. Die kalten, steinernen Gänge, das Flackern alter Kronleuchter, das leise Wispern in den Schatten – all das trägt zur Spannung bei. Diese beklemmende Atmosphäre erinnert an Werke aus dem Horror-Genre doch „All the Devils“ setzt mit seiner Mischung aus Dark Academia und übernatürlichem Horror eigene Akzente.
Hinter der spannenden Handlung verbirgt sich eine tiefgründige Erzählung über Verlust, Wahrheitssuche und die Macht von Wissen. „All the Devils“ stellt die Frage, wie weit man bereit ist zu gehen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen – und welchen Preis man dafür zahlen muss. Familie spielt dabei ebenso eine zentrale Rolle in der Geschichte. Andy und Violet verbindet eine enge Beziehung, und die Unsicherheit über Violets Schicksal treibt die Handlung maßgeblich voran. Doch auch das Thema Identität wird immer wieder aufgegriffen: Wer sind wir wirklich, wenn unsere Erinnerungen manipuliert werden können? Wie viel Wahrheit kann ein Mensch ertragen, bevor er daran zerbricht? Die dunkle Magie, die in der Geschichte ihren Stellenwert hat, ist nicht nur ein Plot-Element, sondern eine Metapher für Macht und ihre Versuchungen. Während Andy und Jae nach Antworten suchen, müssen sie sich auch der Frage stellen, ob es manchmal besser ist, Dinge im Dunkeln zu lassen.
Ein weiteres Highlight des Romans sind die vielschichtigen Charaktere. Andy ist keine typische Heldin, sondern eine entschlossene, aber gebrochene junge Frau, die mit ihrer eigenen Vergangenheit zu kämpfen hat. Ihre Motivation, ihre Schwester zu finden, ist nicht nur von Liebe, sondern auch von Schuldgefühlen getrieben, was ihre Figur besonders authentisch macht. Jedoch handelt sie zuweilen auch sehr undurchdacht, was manchmal ein wenig anstrengend ist.
Jae Han ist der perfekte Gegenpart zu ihr – charmant, klug und mit einer eigenen Agenda, die erst nach und nach enthüllt wird. Die Dynamik zwischen den beiden ist spannend und voller unausgesprochener Emotionen. Ihre Beziehung entwickelt sich auf eine organische Weise, ohne die eigentliche Handlung zu überlagern, und trägt zur Spannung des Romans bei.
Auch die Nebencharaktere sind keine bloßen Statisten. Von undurchsichtigen Lehrern bis hin zu rivalisierenden Schülern – jede Figur hat ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Geheimnisse. Niemand ist wirklich vertrauenswürdig, und genau das macht die Erzählung so fesselnd.
Obwohl der Klappentext zunächst den Eindruck erwecken könnte, dass eine romantische Liebesgeschichte im Zentrum des Geschehens steht, rückt diese in der tatsächlichen Erzählung in den Hintergrund. Statt einer überstürzten Romanze entfaltet sich die Zuneigung zwischen den beiden Hauptfiguren langsam und organisch, fast schon beiläufig – wie ein zartes Band, das sich unbemerkt zwischen ihnen spannt. Ihre Beziehung wächst nicht durch leidenschaftliche Gesten oder überschwängliche Liebeserklärungen, sondern durch gemeinsame Erfahrungen, geteilte Geheimnisse und das gegenseitige Vertrauen, das sich in den dunklen Korridoren der Ravenswood Academy erst bewähren muss. Selbst als sich schließlich eine tiefere Verbindung zwischen ihnen andeutet, bleibt der Roman angenehm zurückhaltend und vermeidet jegliche übertriebene Sentimentalität. Hier gibt es keine kitschigen Momente oder plötzlichen Liebesschwüre – vielmehr zeichnet Catelyn Wilson eine Beziehung, die sich authentisch und glaubwürdig anfühlt. Wer also eine Geschichte voller Herzschmerz und dramatischer Liebesszenen erwartet, wird nicht fündig. Doch gerade diese subtile, beinahe scheue Annäherung macht die Dynamik zwischen den Figuren umso fesselnder. Ihre Gefühle stehen stets im Schatten der düsteren Geheimnisse, die sie umgeben, und gerade dieser zurückhaltende Stil verleiht ihrer Beziehung eine besondere Tiefe.
Mit „All the Devils“ hat Catelyn Wilson einen beeindruckenden Roman geschaffen, der Fans von düsteren Internatsgeschichten, okkulten Geheimnissen und psychologischem Horror gleichermaßen begeistern wird. Die raffinierte Erzählweise, die atmosphärische Dichte und die unvorhersehbaren Wendungen sorgen dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Wer dunkle Geheimnisse, geheime Gesellschaften und die Suche nach verborgener Wahrheit liebt, wird in diesem Roman eine perfekte Mischung aus Spannung, Nervenkitzel und Magie finden.
[unbezahlte Werbung | Rezensionsexemplar]
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