Victor Dixen: Vampyria – Der Hof der Finsternis [Rezension]

Cover © Blanvalet

Buchinformationen

TitelVampyria – Der Hof der Finsternis
Band1 von 4
AutorVictor Dixen
VerlagBlanvalet
ÜbersetzungBernd Stratthaus
ISBN978-3-7341-6347-0
Seitenzahl528
GenreHistorische Fantasy
Bewertung3 von 5 Sterne

Klappentext

Jeanne Froidelac wird sterben. Denn sie befindet sich gegen ihren Willen in der Kutsche eines in sie verliebten adeligen Vampirs auf dem Weg nach Versailles. Am Hof der Finsternis herrscht nämlich seit 300 Jahren Ludwig der Unwandelbare als König der Vampire. Während die Adeligen nichts mehr begehren, als durch die Gunst des einstigen Sonnenkönigs unsterblich zu werden, müssen einfache Menschen wie Jeanne ihr Blut als Steuer abgeben. Doch zum Glück wird sie für eine Adelige gehalten, die nach ihrer Ausbildung in eine Vampirin verwandelt werden soll, falls sie die gefährlichen Prüfungen besteht. Doch Jeanne hat andere Pläne: Sie wird dem König nicht dienen, sondern ihn stürzen! Denn sie kennt nur ein Ziel: Rache.

Meine Meinung

„Vampyria – Der Hof der Finsternis“ von Victor Dixen entführt in eine düstere Welt, die von Ludwig XIV., dem Sonnenkönig, beherrscht wird, der vor 300 Jahren zum Vampir wurde. Dieser erste Band der Vampyria-Reihe eröffnet eine packende Welt voller Intrigen, Geheimnisse und übernatürlicher Mächte.

Die Geschichte spielt in einem alternativen Frankreich des 17. Jahrhunderts, wo Ludwig XIV., der Sonnenkönig, vor 300 Jahren durch die Verwandlung in einen Vampir unsterblich wurde. Als Herrscher eines unbarmherzigen, vampirischen Regimes kontrolliert er das Reich mit eiserner Hand. Menschen dienen den Vampiren als Untertanen und Blutlieferanten, während die Adligen – ebenfalls Vampire – an seinem Hof in Versailles um Macht und Einfluss wetteifern. Im Zentrum steht die junge Jeanne, die ein einfaches Leben führt, bis ihre Familie Opfer der tyrannischen Politik des Königs wird. Um sich zu retten, nimmt Jeanne eine gefährliche Identität an: Sie gibt sich als Adlige aus und wird als Hofdame an den düsteren Hof von Versailles aufgenommen. Dort sieht sie sich gezwungen, sich in einer Welt voller tödlicher Intrigen, Verrat und übernatürlicher Gefahren zu behaupten. Jeanne verfolgt jedoch ein heimliches Ziel – Rache an den Vampiren und die Befreiung der Menschheit von deren Joch. Während sie tiefer in die Machenschaften des Hofes verwickelt wird, stößt sie auf dunkle Geheimnisse und erkennt, dass der Preis für ihre Mission weitaus höher sein könnte, als sie je erwartet hat.

Das Setting ist definitiv vielversprechend; Victor Dixen erschafft ein alternatives Frankreich des 17. Jahrhunderts ohne, dass es sich um das 17. Jahrhundert handelt. Vielmehr ist die Magna Vampyria – das Reich der Vampire – wie in der Zeit stecken geblieben. Versailles, der Hof der Finsternis, bildet das prachtvolle und gleichzeitig unheimliche Zentrum dieser Welt. Die barocke Pracht und der Glanz des Sonnenkönigs verschmelzen mit düsteren Elementen, die durch die vampirische Herrschaft eine bedrohliche Aura erhalten. Die Menschen leben unter der ständigen Kontrolle der vampirischen Aristokratie, und das gesamte Reich ist von einem System geprägt, das Blut als wertvollste Ressource sieht. Besonders faszinierend ist die Kontrastierung zwischen der oberflächlichen Eleganz des Hofes und den Schrecken, die hinter den prunkvollen Fassaden lauern. Dixen gelingt es, die historische Kulisse detailreich und authentisch darzustellen, während er sie mit übernatürlichen und fantastischen Elementen anreichert. Dieses Setting schafft eine einzigartige Atmosphäre, die gleichermaßen faszinierend wie beklemmend wirkt und die Handlung perfekt unterstreicht.

Der Schreibstil des Buches passt leider nicht ganz zum historischen Schauplatz. Obwohl die Geschichte in einer traditionellen Epoche angesiedelt ist, greift Victor Dixen häufig auf eine moderne Sprache zurück, die die Atmosphäre des Geschehens durchbricht. Diese sprachlichen Anachronismen stehen im Widerspruch zur historischen Kulisse und beeinträchtigen die Authentizität. Ein besonders auffälliges Beispiel ist die Verwendung von Ausdrücken wie „Achterbahn der Gefühle“. Solche Formulierungen wirken deplatziert, da die Protagonistin nie mit einer Achterbahn konfrontiert gewesen sein könnte. Solche modernen Wendungen lenken von der sorgfältig aufgebauten Welt ab und lassen den Leser gelegentlich aus der ansonsten fesselnden Erzählung herausfallen. Ein Schreibstil, der stärker an die Zeit angepasst wäre, hätte die Immersion in die düstere und faszinierende Welt von Versailles deutlich verstärken können.

Die Geschichte weist stellenweise einige Längen auf, die den Erzählfluss etwas träge wirken lassen. Zudem wird die Handlung oft durch zahlreiche Hilfestellungen und Zufälle vorangetrieben, die den Verlauf der Ereignisse teilweise zu vorhersehbar und wenig herausfordernd machen. Diese erzählerischen Abkürzungen nehmen der Geschichte gelegentlich die Spannung, da die Figuren nicht immer mit echten Hürden konfrontiert werden und scheinbar mühelos Lösungen finden. Ein stärkerer Fokus auf glaubwürdige Herausforderungen und eine komplexere Entwicklung der Ereignisse hätten der Handlung mehr Tiefe und Dynamik verleihen können.

Die größten Schwächen der Geschichte liegen jedoch in der Darstellung der Protagonistin Jeanne. Leider bleibt sie als Hauptfigur sowohl in ihrer Persönlichkeit als auch in ihren Handlungen unglaubwürdig und schwer greifbar. Ihre Entscheidungen wirken häufig unlogisch und stehen nicht immer im Einklang mit den Herausforderungen, denen sie gegenübersteht. Statt als vielschichtiger Charakter mit nachvollziehbaren Emotionen und Motiven zu überzeugen, bleibt sie flach und unnahbar. Zusätzlich fehlt es ihr an Sympathie, was es erschwert, mit ihr mitzufühlen oder sich mit ihr zu identifizieren. Ihre Art, mit anderen Figuren umzugehen, wirkt oft egozentrisch, und ihre vermeintliche Zielstrebigkeit wird durch eine gewisse Arroganz überschattet. Diese Darstellung lässt eine emotionale Verbindung zur Protagonistin vermissen, was besonders bedauerlich ist, da die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt wird und auf ihrer Entwicklung basiert. Eine glaubwürdigere und menschlichere Ausarbeitung von Jeanne hätte der Handlung deutlich mehr Tiefe und emotionale Resonanz verleihen können.

Victor Dixen setzt mit „Vampyria – Der Hof der Finsternis“ auf einen blutigen und brutalen Ton, der die düstere Atmosphäre der Geschichte unterstreicht. Die Mischung aus historischem Setting, übernatürlichen Elementen und politischen Intrigen schafft eine spannende Grundlage, die viel Potenzial bietet. Trotz einiger Schwächen – wie einer wenig überzeugenden Protagonistin, sprachlichen Anachronismen und einer teils vorhersehbaren Handlung – gelingt es dem Buch, eine faszinierende Welt zu erschaffen, die neugierig auf die Fortsetzung der Reihe macht. Fans von düsterer Fantasy mit Vampiren und einem Hang zur barocken Dramatik könnten hier dennoch auf ihre Kosten kommen.

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