
Buchinformationen
| Titel | Belladonna – Die Berührung des Todes |
| Band | 1 von 3 |
| Autor | Adalyn Grace |
| Verlag | ArsEdition |
| Übersetzung | Petra Knese |
| ISBN | 978-3-8458-5691-9 |
| Seitenzahl | 400 |
| Genre | Historische Romantasy |
| Bewertung | 1 von 5 Sterne |
Klappentext
Signa ist vom Tod berührt. Seit ihre Eltern gestorben sind, glauben ihre Verwandten, dass sie verflucht ist. Bis Signa eines Tages von ihrem Cousin in das wunderschöne Herrenhaus Thorn Grove eingeladen wird. Die rauschenden Bälle und eleganten Gäste faszinieren Signa, doch der Glanz verbirgt ein düsteres Geheimnis. Die Tochter des Hauses, Blythe, wurde vergiftet und der Täter steht der Familie näher als vermutet. Als der Tod dann höchstpersönlich erscheint, um Signa bei dem Rätsel zu helfen, weckt er in ihr verbotene Gefühle, die sie in einen dunklen Abgrund reißen könnten …
Meine Meinung
„Belladonna – Die Berührung des Todes“ von Adalyn Grace erfreut sich seit seiner Veröffentlichung großer Beliebtheit und hat eine Welle der Begeisterung ausgelöst. Der Roman markiert den Beginn einer geheimnisvollen Trilogie, die Elemente eines Kriminalromans und Fantasy mit einer mystischen Atmosphäre verwebt.
Seit sie als Säugling ihre Eltern verlor, pflegt Signa, die vermögende Erbin, eine außergewöhnliche Beziehung zum Tod in menschlicher Gestalt. Gezeichnet von tragischen Ereignissen, sehnt sie sich danach, in die gesellschaftlichen Kreise aufgenommen zu werden, um ebenso wie ihre Mutter einst, als leuchtender Mittelpunkt zu erstrahlen. Doch kurz vor Erreichen ihrer Volljährigkeit wird ihr ein neuer Vormund zur Seite gestellt, und sie findet sich unversehens inmitten eines verhängnisvollen Giftskandals wieder.
Die Erzählung mag zwar im 19. Jahrhundert angesiedelt sein, doch die Atmosphäre und Details vermitteln nicht immer das Gefühl, dass die Handlung in dieser Zeit spielt. Historische Ungenauigkeiten durchziehen das Buch, von offensichtlichen Fehlern wie der Abwesenheit eines Damensattels, obwohl Signa im Kleid reitet, bis hin zu subtileren Aspekten der Infrastruktur jener Epoche. Solche Anachronismen stören das Eintauchen in die Welt des Romans und untergraben die Glaubwürdigkeit der historischen Darstellung.
Darüber hinaus scheinen die gesellschaftlichen Umgangsformen und die Etikette der Charaktere modernisiert zu sein, was zu einer Diskrepanz zwischen der dargestellten und der tatsächlichen Vergangenheit führt. Die Sprache und der Dialog wirken oft zu zeitgenössisch für das 19. Jahrhundert, was die Illusion der historischen Genauigkeit weiter schwächt. Diese historischen Unstimmigkeiten sind für ein Werk, das sich in einer vergangenen Epoche abspielt, bedeutsam. Sie beeinflussen die Authentizität der Geschichte und können für Leser, die Wert auf historische Genauigkeit legen, ein Hindernis darstellen. Es ist wichtig, dass Autoren, die in historischen Settings schreiben, gründliche Recherchen betreiben, um eine glaubwürdige und immersive Erfahrung zu schaffen.
Der Schreibstil des Romans lässt an manchen Stellen zu wünschen übrig. Die Erzählung wirkt oft unterbrochen und ein kontinuierlicher Aufbau von Spannung bleibt aus. Stattdessen zieht sich die Handlung langsam dahin, ähnlich der Zähigkeit von Kaugummi. Die Prosa könnte flüssiger und mitreißender gestaltet sein, um die Leser besser zu fesseln. Statt dessen findet man eine Erzählweise, die eher monoton und ohne viel Dynamik verläuft. Dies führt dazu, dass es schwierig ist, sich durch die Seiten zu arbeiten, da die Geschichte nicht die erhoffte Sogwirkung entwickelt.
Die mystische Komponente des Buches, kombiniert mit krimiähnlichen Elementen, mag zwar eine vielversprechende Prämisse darstellen, doch die Vorhersehbarkeit der Handlung trübt das Lesevergnügen. Die Wendungen und Enthüllungen, die Spannung erzeugen sollten, sind oft leicht zu antizipieren. Ein Roman, der mit Geheimnissen und Überraschungen lockt, sollte den Leser stets im Unklaren lassen und mit unerwarteten Momenten fesseln. In „Belladonna“ jedoch scheinen die Rätsel zu offensichtlich und die Lösungen zu einfach, was die sonst so reizvolle Atmosphäre der Unsicherheit und des Mysteriums abschwächt.
Die Charakterzeichnung im Roman lässt eine gewisse Vielschichtigkeit vermissen. Die Protagonisten erscheinen oft flach und ohne die nötige Komplexität, was es den Lesern erschwert, sich mit ihnen zu identifizieren. Insbesondere die Nebenfiguren leiden unter einer mangelnden Ausarbeitung ihrer Geschichten und Persönlichkeiten, was sie eher blass und leblos wirken lässt.
Die Interpretation des Todes in „Belladonna“ entsprach ebenfalls nicht den Erwartungen. Anstelle einer Darstellung als zeitloses, uraltes Wesen, das seit Anbeginn der Zeit existiert, erscheint der Tod in der Geschichte eher als unreifer Jugendlicher. So ein typischer „Bookboyfriend“ wie man ihn aus Jugendfantasy kennt, eben. Statt einer nuancierten und vielschichtigen Figur, die die Endgültigkeit und die Schattenseiten des Lebens symbolisiert, wird der Tod so auf eine flache und klischeehafte Weise präsentiert, die nicht der traditionellen Vorstellung dieses mächtigen Konzepts entspricht.
„Belladonna – Die Berührung des Todes“ ist wieder mal eine typische TikTok-Sensation. Stark beworben, doch den Hype absolut nicht wert. Daher keine Leseempfehlung.
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