
Buchinformationen
| Titel | Der Fremde |
| Band | Einzelband |
| Autor | Albert Camus |
| Verlag | Rowohlt Verlag |
| Übersetzung | Uli Aumüller |
| ISBN | 978-3-499-22189-7 |
| Seitenzahl | 160 |
| Genre | Fiktion, Klassiker |
| Bewertung | 2 von 5 Sterne |
Klappentext
«Mir wurde klar, dass ich das Gleichgewicht des Tages zerstört hatte, die außergewöhnliche Stille eines Strandes, an dem ich glücklich gewesen war. Da habe ich noch viermal auf einen leblosen Körper geschossen, in den die Kugeln eindrangen, ohne dass man es ihm ansah. Und es war wie vier kurze Schläge, mit denen ich an das Tor des Unglücks hämmerte.»
Die Geschichte eines jungen Franzosen in Algerien, den ein lächerlicher Zufall zum Mörder macht, wurde 1942 im besetzten Frankreich zu einer literarischen Sensation. Der Roman bedeutete den schriftstellerischen Durchbruch für Albert Camus und gilt heute als einer der Haupttexte des Existenzialismus.
Meine Meinung
„Der Fremde“ ist ein Klassiker, der Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach Moral und Gerechtigkeit aufwirft. Albert Camus, ein Vertreter des Absurdismus, zeigt uns die Welt aus der Perspektive eines Menschen, der sich von der Gesellschaft entfremdet hat und wegen eines Mordes zum Tode verurteilt wird.
Von Camus‘ „Der Fremde“ hatte ich mir mehr Tiefe erhofft, etwas, das mich an seine Größe heranführen und mich sein ganzes Werk lesen lassen würde. Schließlich war dieses Buch sein Durchbruch. Bedauerlicherweise war das nicht der Fall.
Stilistisch ist es schwierig, dem Inhalt zu folgen, da man immer wieder aus dem Lesefluss gerissen wird. Die Erzählform macht den Grund für die einzelnen Handlungen nicht verständlicher. Auch beim Lesen zwischen den Zeilen wird die Frage nach dem Warum und Wieso nicht beantwortet. So wird der Leser an ein Rätsel gestellt, das er selbst zu lösen hat. Er wird herausgefordert, seine eigenen Werte und Urteile zu hinterfragen und sich mit der Absurdität des Menschseins auseinanderzusetzen. Ob sich dies so gut mit der Handlung vereinbaren lässt, sei dahingestellt.
Bei dem Protagonisten Meursault handelt es sich um einen abgestumpften, passiven und äußerst gleichgültigen Menschen. Er nimmt sein Schicksal widerstands- und hoffnungslos hin und zeigt weder Reue noch Empathie für seine Tat. Das macht die Geschichte frei von Sinneswandel oder Wendung. So sind die Dinge. Es geschieht, wie es geschieht. Es ist die Beschreibung eines Lebens ohne Sinn und ohne Ziel.
Gegen Ende habe ich gehofft, dass es noch eine Wendung gibt. Etwas, das wirklich für einen Überraschungseffekt sorgt, aber stattdessen geht die Geschichte geradlinig weiter. Und genau das macht das ganze Buch so unglaublich langweilig. Es mag ein Klassiker sein, aber warum eigentlich?
Trotz meines Bemühens, mich diesem Werk kritisch, aufgeklärt und mit Sinn für große Literatur zu nähern, ist es mir nicht gelungen zu verstehen, warum „Der Fremde“ als eines der bedeutendsten Werke der Geschichte bezeichnet wird. Aus diesem Grund kann ich keine Leseempfehlung aussprechen.
Ich hab das Buch vor einiger Zeit mit ausreichend großer Begeisterung gelesen, um weitere Camus-Bücher folgen zu lassen. 🙂 Dass es keinen „Grund für die einzelnen Handlungen“ gibt und das „Warum und Wieso nicht beantwortet“ wird, ist aus meiner Sicht der Sinn der Veranstaltung.
Menschen wie Mersault, die fernab jeglicher Zielsetzung der offensichtlichen Ansicht der vollständigen Sinnlosigkeit allen irdischen Seins sind, werden spätestens im Rahmen der Gerichtsverhandlung mit Menschen – dem Gericht eben – gegenübergestellt, die entweder in allem einen Sinn sehen oder zumindest allem einen Sinn, ein Motiv, geben wollen. Das ist dann aber auch schon alles, denke ich. 🙂
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Das ist ein interessanter Interpretationsansatz. 🤔
So rum betrachtet würde das Buch auf jeden Fall mehr Sinn machen. 😊
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