Alyson Noël: Stealing Infinity [Rezension]

Cover © dtv

Buchinformationen

TitelStealing Infinity
Band1 von 3
AutorAlyson Noël
Verlagdtv
ÜbersetzungMichelle Landau
ISBN978-3-423-76420-9
Seitenzahl576
GenreRomantasy
Bewertung3 von 5 Sterne

Klappentext

Natasha Clarke ist die totale Außenseiterin an ihrer Highschool, als sie unvermittelt eine Einladung in einen mysteriösen Club erhält. Dort entdeckt sie einen Grabstein mit ihrem Namen. Kurz darauf wird es um sie schwarz. Alles nur ein Traum? Als sie am nächsten Morgen erwacht, ist Natashas Leben vollkommen auf den Kopf gestellt. Ihr wird Diebstahl vorgeworfen, sie fliegt von der Schule – und erhält das überraschende Angebot, an die Gray Wolf Academy zu wechseln. Dort stehen allerdings nicht nur Geschichte und Kunst auf dem Lehrplan. Mithilfe von Braxton, ihrem gut aussehenden Mitschüler, will Natasha das Mysterium der Academy lüften und merkt bald: Die Eliteschule hütet noch mehr dunkle Geheimnisse …

Meine Meinung

Zeitreisen, Kunst und Geheimnisse – das sind die Zutaten des fantastischen Romans „Stealing Infinity“ von Alyson Noël, der im Frühjahr 2023 erstmals auf Deutsch erschienen ist. Die Autorin entführt den Leser in eine Welt, in der eine geheimnisvolle Schule das Schicksal von Jugendlichen bestimmt, die niemand vermissen möchte. Eine von ihnen ist die Protagonistin Natasha Clarke. Nach einer seltsamen Einladung eines reichen Milliardärs landet sie auf der Gray Wolf Academy, wo sie nicht nur lernt, durch die Zeit zu reisen, sondern auch ihre besondere Gabe entdeckt, die sie zur gefährlichsten Schülerin der Schule macht. Doch was verbirgt sich hinter dem geheimen Projekt der Akademie? Und wem kann sie trauen in dieser Welt voller Lügen und Intrigen? Vor allem dem charmanten Braxton, der mehr zu wissen scheint, als er zugibt?

Der Stil von Alyson Noël ist typisch für Jugendromane. Sie bedient sich einer einfachen Sprache, die ohne ausgefeilte Beschreibungen auskommt. Da nicht viel beschrieben und ausgeschmückt wird, ist das Buch zwar leicht zu lesen, aber es fehlt auch an Tiefe, was es langweilig macht. Oft werden die gleichen Wörter, Phrasen und Beschreibungen ohne jegliche Kreativität verwendet. Insgesamt ist der Schreibstil dadurch zu anspruchslos geraten.

Die Handlung ist sehr vorhersehbar, da sich die Autorin nichts Neues einfallen lässt. Alles war schon einmal da und ist nicht so gut verpackt, dass es nicht stören würde. Im Großen und Ganzen wirkt es wie ein Abklatsch der Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier, nur dass die Parameter verändert wurden. Zum Beispiel sind die Zeitreisen nicht magisch, sondern wissenschaftlich, und das Ziel der Zeitreisen ist Diebstahl.

Auch der Umgang mit Zeitreisen hat mir hier überhaupt nicht gefallen. Es ist ein sehr komplexes Thema und jeder Einschnitt in die Vergangenheit hat Konsequenzen für die Gegenwart, die sich dadurch eigentlich verändern oder zumindest alternative Zeitlinien schaffen müsste. Doch davon fehlt jede Spur. Keiner der Charaktere macht sich Gedanken darüber, welche Auswirkungen eine Veränderung der Vergangenheit haben könnte, nicht einmal der Gründer der Akademie Arthur Blackstone, der es als Experte auf diesem Gebiet eigentlich besser wissen müsste.

Die Figuren sind flach, stereotyp und eindimensional. Das gilt leider auch für die Hauptfiguren. So ist die Protagonistin Natasha, die auch die Geschichte erzählt, eine temperamentvolle junge Frau, die eigentlich anderen Menschen gegenüber sehr misstrauisch ist und dennoch auf vieles sehr naiv reagiert, zum Beispiel wenn es um die Liebe geht. Doch dazu später mehr.

Der Love Interest Braxton ist jedoch die flachste Figur im ganzen Buch. Er hat genau null Charaktertiefe und das einzige, was ihn ausmacht, ist, dass er unglaublich attraktiv und gut aussehend ist. Schließlich braucht Natasha etwas zum Sabbern, sonst wäre es ja keine gute Romantasy, wenn nicht auch dieses Klischee bedient würde, oder? Und dann kann man natürlich auch vergessen, dass man genau null über den Typen weiß, es kommt ja nur auf das gute Aussehen an!

Die Liebesgeschichte ist dementsprechend albern. Natasha verwandelt sich, sobald sie Braxton zum ersten Mal sieht, in einen hormongesteuerten Teenager, der völlig durchdreht und nichts hinterfragt, was mit diesem Typen zu tun hat. Da spielt es auch keine Rolle mehr, dass Natasha Braxton anfangs übel nimmt, dass er sie überhaupt für die Akademie rekrutiert hat, was wahrscheinlich sowieso nur eingeflochten wurde, um eine Art Pseudo-Enemies-to-Lovers zu haben, schließlich ist das die wohl beliebteste Romance-Trope, verkauft sich also gut, wenn man auf sein Buch schreiben kann, dass es Enemies-to-Lovers hat. Die größte Ironie ist jedoch, dass Natasha glaubt, ihn zu lieben, obwohl sie so gut wie nichts über Braxton erfährt. Geheimnisvoll ist bei diesem Kerl schon kein Ausdruck mehr. Das macht das Ganze einfach zu einer schlecht umgesetzten Liebesgeschichte, die man sich an dieser Stelle einfach hätte sparen können, denn das wäre besser gewesen als der Murks, mit dem uns die Autorin so gesegnet hat.

Eigentlich mag ich Akademiegeschichten, aber „Stealing Infinity“ hat mich nicht 100%ig abgeholt. Es war mir viel zu klischeehaft und langweilig und hat viel verschenktes Potential, denn die Grundidee, auch wenn sie der Edelstein-Trilogie sehr ähnlich ist, ist schon gut. Nur ist aus der Saat Unkraut geworden, keine schöne Blume. Deshalb ist der Roman für mich bestenfalls mittelmäßig. Ich hoffe sehr, dass der zweite Teil mehr zu bieten hat und das Potenzial besser ausschöpft.

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