Was ist Romantasy?

Mit der Macht der Liebe gegen das Böse!
Wenn Schwerter klirren, Magie die Welt durchzieht und das Schicksal ganzer Reiche auf dem Spiel steht, ist es oft nicht rohe Gewalt, die triumphiert – sondern die Liebe. Genau hier setzt die Romantasy, auch Romantic Fantasy genannt, an. In diesem Genre stehen zwischenmenschliche Beziehungen im Mittelpunkt des Geschehens. Ob leidenschaftliche Liebesgeschichten, tiefe Freundschaften oder politische Allianzen: Gefühle sind der Motor der Handlung. In den letzten Jahren hat sich die Romantasy zu einem der erfolgreichsten und beliebtesten literarischen Genres der Gegenwart entwickelt. Doch was macht ihren besonderen Reiz eigentlich aus?

Die Romantasy ist ein vergleichsweise junges Subgenre der Fantasy – zumindest in ihrer offiziellen Bezeichnung. Erst in den letzten zwei Jahrzehnten wurde sie klar definiert und als eigene Sparte anerkannt, obwohl ihre Grundidee deutlich älter ist. Im Kern beschreibt sie Fantasy-Geschichten, in denen Beziehungen – meist romantischer Natur, aber nicht ausschließlich – das narrative Zentrum bilden. Auch platonische Bindungen, familiäre Loyalitäten oder machtpolitische Verflechtungen können im Fokus stehen. Entscheidend ist, dass diese Beziehungen handlungstragend sind und die Entwicklung der Figuren maßgeblich beeinflussen.

Typisch für die Romantic Fantasy sind zudem klassische Beziehungsstrukturen und häufig auch traditionelle Geschlechterrollen. Da sich vor allem Autorinnen dieses Genres bedienen, ist die Hauptfigur meist weiblich und wird aus einer emotional nahen Perspektive erzählt. Lesende begleiten sie nicht nur auf gefährlichen Abenteuern, sondern auch auf inneren Reisen voller Zweifel, Sehnsucht und Selbstfindung. Ein weiteres zentrales Element ist die Übernatürlichkeit der Figuren: Vampire, Fae, Gestaltwandler, Hexen oder Götter sind keine Ausnahme, sondern fester Bestandteil der erzählten Welten.

Lange Zeit existierte die Romantasy nur inoffiziell. Ihre Motive und Strukturen tauchten jedoch schon früh in anderen Fantasy-Subgenres auf und lassen sich bis zu Mythen, Sagen und Legenden zurückverfolgen. Besonders ab den 1970er Jahren, unter dem Einfluss der feministischen Fantasy, entstanden Romane, die sich kritisch mit Sexualität, Machtverhältnissen und heteronormativen Erzähltraditionen auseinandersetzten. Ein frühes Beispiel hierfür sind die „Chroniken von Tornor“ von Elizabeth A. Lynn, in denen queere Identitäten und emotionale Bindungen selbstverständlich Teil der Fantasywelt sind.

Den endgültigen Durchbruch erlebte die Romantic Fantasy jedoch Anfang der 2000er Jahre – allen voran durch den Boom der Vampirliteratur. Reihen wie „Twilight“ von Stephenie Meyer trafen einen Nerv der Zeit. Die Mischung aus fantastischem Setting, einer verbotenen Liebe zwischen Mensch und übernatürlichem Wesen, einem klaren Konflikt, einer guten Portion Erotik und dem Versprechen eines Happy Ends erwies sich als unwiderstehlich. Der Erfolg war messbar: Von den 460 Fantasy-Romanen, die im Jahr 2007 erschienen, wurden ganze 243 der Romantasy zugeordnet.

Auffällig ist dabei, dass insbesondere die Dark Fantasy mit Romance-Schwerpunkt den Ton angab und das junge Genre nachhaltig formte. Viele frühe Romantasy-Romane zeichneten sich durch eine düstere, oft bedrohliche Atmosphäre aus, in der Schatten, Geheimnisse und allgegenwärtige Gefahren das Setting bestimmten. Die Figuren bewegten sich in moralischen Grauzonen, in denen Gut und Böse selten klar voneinander zu trennen waren und Entscheidungen stets einen hohen emotionalen Preis forderten. Liebesbeziehungen waren dabei keineswegs sicher oder idealisiert, sondern häufig von Verboten, Machtgefällen, inneren Konflikten und existenziellen Risiken geprägt. Genau diese Mischung aus Dunkelheit und intensiver Emotionalität machte den besonderen Reiz der sogenannten „Dark Romantasy“ aus. Ihr Einfluss war so prägend, dass ihre Motive, Stimmungen und Erzählmuster bis heute in zahlreichen modernen Romantasy-Werken nachhallen und das Genre weiterhin entscheidend mitgestalten.

Ihre Wirkung reichte jedoch weit über die Grenzen der klassischen Fantasy hinaus und wirkte sich spürbar auf andere literarische Strömungen aus. Insbesondere verwandte Genres wie die Dystopie erfuhren durch die Verbindung von emotional aufgeladenen Beziehungen und düsteren Zukunftsvisionen einen neuen Popularitätsschub. In diesen Geschichten wurden romantische Bindungen zunehmend zum emotionalen Gegengewicht zu autoritären Systemen, gesellschaftlicher Unterdrückung und existenziellen Bedrohungen. Dass dieser Trend kein Zufall ist, zeigt sich an den großen Erfolgen der letzten Jahrzehnte: Reihen wie „Die Tribute von Panem“ von Suzanne Collins oder die „Selection“-Pentalogie von Kiera Cass verbinden Liebesgeschichten untrennbar mit politischen Machtstrukturen, sozialen Hierarchien und moralischen Konflikten. Damit greifen sie zentrale Motive der Dark Romantasy auf und übertragen sie in neue, oftmals erschreckend realitätsnahe Zukunftswelten.

Außerdem lässt sich die Romantic Fantasy klar von der Fantasy Romance abgrenzen – auch wenn beide Begriffe im allgemeinen Sprachgebrauch häufig synonym verwendet werden. Der entscheidende Unterschied liegt im erzählerischen Schwerpunkt: In der Fantasy Romance steht die Liebesgeschichte im Zentrum der Handlung, während das fantastische Setting vor allem als atmosphärische Kulisse fungiert. In der Romantic Fantasy hingegen dominiert die Fantasy-Handlung selbst – epische Konflikte, magische Welten und existenzielle Bedrohungen bilden das Fundament der Erzählung. Die Romantik ist hier kein bloßes Beiwerk oder Selbstzweck, sondern ein kraftvolles narratives Element, das Figuren antreibt, Entscheidungen beeinflusst und im besten Fall ganze Welten verändert sowie das Böse herausfordert.

Die Romantasy vereint damit zwei der wirkungsvollsten erzählerischen Kräfte der Literatur: Fantasie und Gefühl. Sie erzählt von magischen Welten und epischen Konflikten, ohne dabei die menschlichen – oder übermenschlichen – Beziehungen aus dem Blick zu verlieren. Gerade diese Verbindung macht das Genre so zugänglich, emotional und zeitlos. Ob als düstere Dark Romantasy, als dystopische Liebesgeschichte oder als klassische Fantasy-Erzählung mit romantischem Kern – die Macht der Liebe bleibt ein zentrales Motiv, das selbst dem größten Bösen entgegentreten kann. Und genau darin liegt der anhaltende Zauber.

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